Mittwoch, 30. August 2017

Unterschiedliche Brennweiten von Objektiven bei APS-C und Vollformat

Die meisten Fotografie-Einsteiger werden mit einer DSLR mit APS-C- bzw. Crop-Sensor beginnen, da solche Kameras und passende Objektive im Gegensatz zu einer Vollformat-Kamera mit entsprechenden Objektiven in der Regel deutlich günstiger zu bekommen sind.

Man gewöhnt sich dann mit der Zeit an die "relativen" Brennweiten der Crop-Kamera und die daraus resultierenden Bildausschnitte und weiß dann irgendwann aus dem Gefühl heraus, welche Brennweite benötigt wird, um das Motiv wie gewünscht auf dem Foto darzustellen.

Bis hierhin ist noch alles gut. Sollte man aber später auf eine Kamera mit Vollformat-Sensor (Kleinbild 36 x 24 mm) umsteigen wollen, so muss man sich auf zwei Herausforderungen einstellen:

Punkt 1: Die bisher verwendeten EF-S (Canon) oder DX (Nikon) Objektive lassen sich nicht an einer Vollformat-Kamera verwenden. Gleiches gilt für die entsprechenden Objektive anderer Hersteller wie Tamron oder Sigma, die für Kameras mit APS-C-Sensor ausgelegt sind. Hier sind dann EF (Canon) bzw. FX (Nikon) Objektive erforderlich, die in der Regel teurer sind.

Punkt 2: Die Brennweiten der Objektive sind physikalisch zwar identisch, wirken jedoch bei unterschiedlichen Sensorgrößen anders. Um den gleichen Bildausschnitt wie bei einem 50 mm Objektiv an einer Crop-Kamera zu erzielen, muss man an der Vollformat-Kamera schon ein leichtes Teleobjektiv mit 80 mm einsetzen. Man kann also nicht in jedem Fall Brennweite mit Brennweite vergleichen.

Die bei Crop-Kameras verbreiteten Kit-Objektive mit 18-55 mm Universal-Brennweite lägen also - würde man sie an einer Kamera mit Vollformat-Sensor betreiben können - doch eher im Weitwinkelbereich, in etwa vergleichbar mit 10-35 mm am APS-C-Sensor.

Bei den Brennweiten im Telebereich kann man deutlich sehen, warum die Hersteller auch hochwertige Crop-Kameras im Angebot haben. Man ist - beispielsweise in der Sport- oder Tierfotografie - mit einem APS-C-Sensor bei großen Brennweiten bedeutend näher am Motiv dran. Hier müsste man schon viel Geld in Objektive oder Extender investieren, um mit Vollformat den gleichen Bildausschnitt zu erzielen.

Um die von einer Brennweite abgedeckten Bereiche an verschiedenen Sensorgrößen (APS-C und Kleinbild) vergleichbar gegenüberstellen zu können, habe ich in den folgenden Tabellen exemplarisch verschiedene Canon-Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten, aber ähnlichen Bildausschnitten farblich dargestellt.


Das gängige Kit-Objektiv:


Ein Kit-Objektiv mit Telebereich:


Weitwinkel-Objektive:


Tele-Objektive:


Festbrennweiten:



Sonntag, 27. August 2017

Grundlagen: Brennweiten-Equivalenz bei APS-C-Kameras

Das Objektiv - die Brennweite

Jedes Objektiv hat eine feste oder variable Brennweite. Diese Brennweite wird aufgrund physikalischer Eigenschaften festgelegt und hat nichts mit der verwendeten Kamera zu tun.

Kurz gesagt: ein Objektiv mit 50 mm Brennweite ist ein Objektiv mit 50 mm Brennweite. Und es bleibt für immer ein Objektiv mit 50 mm Brennweite.


Der Sensor - die Größe

Als Grundlage wird immer das Kleinbildformat ("Vollformat") mit einer Sensorgröße von 36 mm x 24 mm genommen. Bei APS-C- und MFT-Kameras ("Crop-Sensor") muss man dann auf Basis der Sensorgröße umrechnen.

Mache ich nun ein Foto mit 50 mm Brennweite mit einer Vollformat-Kamera, dann habe ich aufgrund der unterschiedlichen Sensorgröße einen anderen Ausschnitt, als würde ich das gleiche Foto mit 50 mm Brennweite mit einer APS-C-Kamera machen.

Das hängt damit zusammen, dass der Sensor bei APS-C, MFT und Kameras in Smartphones um das als Crop-Faktor bezeichnete Verhältnis kleiner als der Kleinbild-Sensor ist.


Das Verhältnis - der Crop-Faktor

Der so genannte Crop-Faktor errechnet sich aus dem Verhältnis der Diagonalen des jeweiligen Sensors zur Diagonalen des Vollformat-Sensors.

Die Berechnung der Diagonalen (c) erfolgt über die Kantenlängen (a) und (b) des Sensors mit dem Satz des Pythagoras:




Beim Kleinbildformat hat der Sensor bei den Kantenlängen von 36 mm und 24 mm eine Diagonale von 43,27 mm.

Berechnung der Diagonalen bei Kleinbildsensor oder Vollformatsensor




Der im Vergleich zum Kleinbildformat kleinere APS-C-Sensor einer Canon-DSLR (22,3 mm x 14,9 mm) hat eine Diagonale von 26,82 mm.

Berechnung der Diagonalen bei Cropsensor




Der von Nikon verbaute und gegenüber Canon nur geringfügig größere APS-C-Sensor (23,6 mm x 15,8 mm) hat eine Diagonale von 28,40 mm.




Mit diesen beiden Werten lässt sich einfach berechnen, dass die Diagonale beim Vollformat-Sensor 1,61 mal so groß wie der Canon APS-C-Sensor bzw. 1,52 mal so groß wie der Nikon APS-C-Sensor ist.



Und dieser Wert (1,61 bzw. 1,52) wird als Crop-Faktor bezeichnet.


Warum sollte man die Brennweite umrechnen?

Wer nur Fotos mit seinen Objektiven an seiner Kamera für seinen eigenen Bedarf macht, dem ist es völlig egal, in welchem Verhältnis Brennweite und Sensor stehen. Wenn man ein ungefähres Gefühl dafür entwickelt hat, welche Brennweiten an der eigenen Kamera für welche Bildausschnitte benötigt werden, dann ist das absolut ausreichend. Hier ist eine Umrechnung völlig überflüssig.

Wer aber Kameras mit verschiedenen Sensorgrößen verwendet, der wird feststellen, dass 50 mm an der einen Kamera wie 80 mm an der anderen Kamera aussehen können. Um mit verschiedenen Kameratypen den gleichen Bildausschnitt zu erzielen, muss man über den Crop-Faktor die erforderliche Brennweite umrechnen.

Hier spricht man auch davon, dass 50 mm an einer APS-C-Kamera equivalent zu 80 mm an einer Vollformat-Kamera sind.


Die Umrechnungstabelle

Um nicht ständig zum Taschenrechner greifen zu müssen, gibt es die wichtigsten Brennweiten übersichtlich in der nachfolgenden Tabelle:

Umrechnungstabelle für Brennweiten an verschiedenen Sensorgrößen