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Mittwoch, 26. Mai 2021

Erfahrungsbericht Stativ Cullmann Alpha 2500

Das Cullman Alpha 2500 - ein typisches Einsteigerstativ?

Mein erstes Stativ war ein Cullmann Alpha 2500. Um die ersten Versuche mit einem Stativ in der Fotografie zu machen, wollte ich als Anfänger nicht unbedingt gleich einen dreistelligen Euro-Betrag für ein "gutes" Stativ investieren. Ich fand damals, dass 2.500 Cent auch eine Menge Geld sind. Mittlerweile kostet das Stativ knapp 30 Euro, was aber nach den Jahren immer noch akzeptabel ist. Der nachfolgende Beitrag gilt grundsätzlich für alle baugleichen Stative anderer Hersteller (z.B. Hama) und natürlich auch für das Alpha 2800, das im Grunde identisch, aber insgesamt etwas größer ist.

Wer billig kauft, kauft zweimal

Es gibt die allgemein bekannte Weisheit "Wer billig kauft, kauft zweimal". Die trifft auch auf dieses Stativ zu. Das bedeutet aber nicht, dass das Stativ schlecht ist. Ich benutze es heute immer noch gerne, habe aber mittlerweile mehr als "zweimal gekauft" und somit auch wesentlich teurere Stative in meinem Besitz. Man kann nicht abstreiten, dass Stative oberhalb der 100-Euro-Grenze besser verarbeitet und deutlich stabiler sind. Aber gleich so viel Geld auszugeben, wenn man noch gar nicht weiß, ob einem ein Stativ überhaupt einen Mehrwert bei der Fotografie bietet, ist auch nicht gut. So hat man dann zwar nur einmal gekauft, aber am Ende doch mehr Geld versenkt.

Die Stativbeine - eine Glaubensfrage

Bei der Art und Weise, wie die Segmente der Stativbeine am besten ent- und verriegelt werden, scheiden sich oft die Geister. Viele Stative haben Drehverschlüsse, andere Stative, so wie das Alpha 2500, haben Klappverschlüsse. Ob Dreh- oder Klappverschlüsse, das ist letztlich wirklich eine Frage der persönlichen Vorliebe. Die Beine des Alpha 2500 sind aus Aluminium und haben jeweils zwei ausfahrbare Segmente. Das Stativ kommt damit bei eingefahrener Mittelsäule auf eine Höhe von 129 cm an der Oberkante der Schnellkupplungsplatte. Fährt man die Mittelsäule noch komplett aus, sind es ca. 165 cm. Das reicht aus, damit Personen mit 190 cm Körperhöhe die Kamera in einer angenehmen Arbeitshöhe haben. In der niedrigsten Stellung mit allen Segmenten eingefahren sind immer noch 62 cm. Weniger geht nicht. Durch diese Konstruktion kommt es zu einem Packmaß von 61 cm, was dieses Stativ nicht gerade zu einem idealen Reisestativ macht, denn ein gutes Reisestativ kommt gerade mal auf die Hälfte. Trotzdem hatte ich das Alpha 2500 auch schon auf dem Fahrrad mit, ohne dass es mich wirklich gestört hat. Am letzten Segment sind die Stativbeine mit beweglichen Gummifüßen versehen, die drinnen und draußen für einen ordentlichen Stand sorgen.

Die proprietäre Cullmann Schnellkupplung

Stative haben zur Befestigung der Kamera in der Regel entweder eine 1/4"-Schraube oder eine Arca Swiss kompatible Aufnahme. Nicht so das Alpha 2500, das hat eine sogenannte Schnellkupplung, die es in dieser Form auch nur bei diesem Stativ gibt. Das ist eine kleine Platte mit einer Schraube, die am Boden der Kamera in das Stativgewinde geschraubt wird. Also so ähnlich, wie eine Arca Swiss kompatible Platte. Die Schnellkupplungsplatte wird dann mit der Kamera auf den Stativkopf gesetzt und mit einem Hebel verriegelt. An sich keine schlechte Lösung, wenn man nur eine Kamera und nur ein Stativ hat. Perfekt für Einsteiger, denn die fangen oft in dieser Konstellation "eine Kamera, ein Stativ" an. Die Platten lassen sich im Zubehör für weniger als 10 Euro nachkaufen, wenn man doch eine zweite Kamera haben sollte und nicht dauernd die Platte wechseln möchte. Ich habe mein Alpha 2500 jedoch schon sehr früh auf Arca Swiss adaptiert und würde das jederzeit wieder tun. Damit erhöht sich die Arbeitshöhe auch um weitere 2 cm. Grundsätzlich bleibt anzumerken, dass die Schnellkupplung am Alpha 2500 in der Aufnahme nicht ganz so spielfrei ist, wie eine Arca Swiss Halterung direkt auf einem Kugelkopf bei teureren Stativen. Da die maximale Last des Alpha 2500 mit 2,5 kg angegeben ist, sollte man auch nicht mehr als eine leichte DSLR mit einem kleinen Objektiv darauf befestigen.

Der Multifunktions-Stativkopf

Auch beim Stativkopf ist das Alpha 2500 etwas anders, als andere Stative. Es erinnert durch den Drei-Wege-Neiger mit dem langem Griff mehr an ein Videostativ. Dreht man an dem Griffstück, kann man damit den Stativkopf für die vertikale Verstellung lösen oder fixieren. Die horizontale Verstellung ist möglich, wenn an der linken Seite am Stativkopf eine große Rändelschraube gelöst wird. Mit dem langen Griff können dann mehr oder weniger gleichmäßige Schwenks vorgenommen werden. Für Panoramafotos völlig ausreichend, für Videoaufnahmen jedoch etwas hakelig. An der rechte Seite des Stativkopfs befindet sich eine Flügelschraube. Löst man diese, so kann man den oberen Teil des Kopfes um ca. 90 Grad kippen. So lässt sich die Kamera schnell ins Hochformat bringen, ohne dass sie auf dem Stativkopf umgesetzt werden muss.

Die stufenlos verstellbare Mittelsäule

Die Mittelsäule lässt sich mit einer ausklappbaren Kurbel in der Höhe verstellen und bei Bedarf durch eine Überwurfmutter fixieren. Auch das erinnert ein Stück weit an ein Videostativ. Allerdings ist die Mittelsäule in sich etwas instabil, so dass diese nach Möglichkeit besser versenkt bleiben sollte.

Sonstige Gadgets

Das Stativ besitzt zwei Wasserwagen für eine korrekte Ausrichtung. Eine kleine Dosenlibelle befindet sich auf der Stativschulter, um die Stativsäule senkrecht in Waage auszurichten. Eine andere Libelle befindet sich oben am Stativkopf zur vertikalen Ausrichtung. Diese Libelle ist bei eingesetzter Schnellkupplungsplatte jedoch nur von der Seite her sichtbar, da die Sicht von oben durch die Platte bzw. durch die Kamera verdeckt wird.

Unten an der Mittelsäule befindet sich ein großer Haken, um dort ohne viel Aufwand Gewichte (z.B. die Fototasche) anzubringen, damit das Stativ beschwert wird. Mit einem zusätzlichen Gewicht wird es zwar nicht unempfindlicher gegen Schwingungen, aber es kann zumindest nicht mehr so leicht durch einen Windstoß umkippen.

Oben an der Mittelsäule befindet sich auch ein solider Tragegriff, mit dem man das Stativ bequem über kurze Strecken transportieren kann, sogar mit montierter Kamera. Für den grundsätzlichen Transport ist eine einfache Tasche mit Schultergurt dabei.

Haltbarkeit

Das einzige, was an diesem Stativ wirklich empfindlich ist, das ist der O-Ring am Ende der Mittelsäule. Dieser Ring soll ein zu weites Aufklappen des Stativs verhindern, indem er an einer gewissen Position blockiert.  Einmal habe ich ihn verloren, einmal ist er gerissen. Ersatz bekommt man relativ einfach und preiswert, indem man einen ganz normalen O-Ring mit 26 mm Innendurchmesser und 3,5 mm Schnurgröße für knapp 2 Euro kauft. Es muss kein Original-Ersatzteil von Cullmann sein. Aber auch ohne den O-Ring funktioniert das Stativ einwandfrei, man muss dann nur etwas aufpassen, wenn man das Stativ aufklappt. Ansonsten gibt es im Gegensatz zu anderen Stativen keine Schrauben, die regelmäßig nachgezogen werden müssen, das Alpha 2500 funktioniert einfach.

Nachnutzung beim Kauf von teureren Stativen

Wer mit dem Alpha 2500 seine ersten Schritte unternommen hat und Gefallen an der Fotografie mit  dem Stativ findet, wird irgendwann wahrscheinlich auf ein teureres Modell umsteigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Alpha 2500 ausgedient hat. Ich nutze das Alpha immer noch als Stativ für Aufsteckblitze. Da ist es absolut egal, ob das Stativ wackelig oder klapprig ist. Für einen entfesselten Blitz oder eine Videoleuchte reicht es völlig aus. Und ganz ehrlich, ab und zu nutze ich es auch noch mal für die Produkt- oder Tabletop-Fotografie.

Fazit

Ich bin froh, dass ich mir dieses Stativ damals zugelegt habe. Auch wenn die allgemeine Empfehlung lautet, man solle für ein Stativ gleich etwas mehr Geld ausgeben, da es in der Regel länger als die Kamera hält. So hatte ich jedenfalls einen preisgünstigen Einstieg in die Fotografie mit Stativen und konnte Aufnahmen machen, die ohne Stativ gar nicht möglich gewesen wären. Für Anfänger, die auf den Geldbeutel schauen, würde ich die Empfehlung für dieses Stativ (oder ein baugleiches Modell von einem anderen Hersteller) aussprechen. Hier im Blog findet ihr übrigens auch einen Beitrag über mein Rollei C5i Carbon, welches das zehnfache gekostet hat und mich zu dieser Erkenntnis geführt hat: Man kann auch teuer kaufen, um zweimal zu kaufen.


Mittwoch, 4. Dezember 2019

Blitzschuh-Adapter für Stative - eine Übersicht

Wer seine Blitze entfesselt einsetzen möchte, hat mehrere Möglichkeiten, die Blitzgeräte zu platzieren. Am einfachsten ist es, den Blitz dazu auf einem Stativ zu befestigen. Aber wie macht man das am besten?

Richtig, mit einem Adapter. Aber mit welchem?

Im folgenden Beitrag werde ich einige solcher Adapter vorstellen und kurz meine Erfahrungen damit ausführen.


Blitzschuh-Adapter werden oft auch Coldshoe-Adapter genannt. Cold deswegen, weil kein Strom durch diese Adapter fließt. Sie sind ausschließlich zur mechanischen Befestigung von Aufsteckblitzen gedacht. Die Auslösung des Blitzes geschieht dann immer per Funk oder optisch.

Der Aufsteckblitz hat einen Fuß mit mindestens einem Kontakt für die Aufnahme in einem Blitzschuh und das Stativ hat in der Regel eine 1/4"-Schraube. Schon mit einem kostengünstigen Adapter kann man so einen Übergang schaffen.


Natürlich kann man auch mit einen Schirmneiger, der unten ein 1/4"-Gewinde und oben einen Blitzschuh hat, den Blitz auf einem Stativ befestigen. Wer einen solchen Schirmneiger besitzt, der kann grundsätzlich auch damit adaptieren. Ein Schirmneiger erfordert jedoch in jedem Fall ein Stativ. Vielleicht möchte man einen Aufsteckblitz aus Platzgründen auf dem Schrank oder im Regal unterbringen. Das könnte mit einem Stativ schwierig werden. Hierfür bietet sich auch ein kleiner und preiswerter Kugelkopf an, der entsprechend adaptiert wird.


Verständlicherweise stellt sich jetzt die Frage: Was soll der Aufwand mit einem Kugelkopf dazwischen? Kann man da nicht einfach nur den mitgelieferten Blitzständer nehmen? Ja, kann man. Aber der Blitzkopf lässt sich nur um 90 Grad nach oben schwenken. Wenn ich aber von oben - über Kopfhöhe - nach unten blitzen möchte, beispielsweise von einem Schrank herab, dann brauche ich einen Kugelkopf, damit ich den Blitz entsprechend nach unten in Richtung Motiv neigen kann.

Aber zurück zu den Adaptern. Der wohl bekannteste Adapter ist der Blitzständer, der mit dem Aufsteckblitz zusammen geliefert wird oder für ein paar Euro im Zubehörhandel gekauft werden kann.


Adapter 1: Der klassische Blitzständer

Jeder der einen Aufsteckblitz besitzt, hat in der Regel auch einen solchen Blitzständer. Wer den noch nie entdeckt hat, einfach mal in der Blitztasche nachsehen.


Da dieser Schuh ab Werk mit dem Aufsteckblitz mitgeliefert wird, ist das wohl die günstigste Lösung. Dieser Ständer hat auf der Unterseite ein entsprechendes 1/4" Gewinde, mit dem er auf dem Stativ befestigt werden kann.

Meine Wertung: Das günstigste Modell, da dieser Blitzständer im Lieferumfang des Aufsteckblitzes enthalten ist. Universell einsetzbar, kann auch ohne Stativ benutzt werden. Manche Modelle haben nur ein Kunststoffgewinde, besser ist in jedem Fall eine Ausführung mit einem stabilen Metallgewinde.


Adapter 2: Klemm-Adapter aus Aluminium

Der zuvor angesprochene Schirmneiger wird bei den Modellen der untersten Preiskategorie oft mit einem Adapter aus Aluminium (oder anderem Leichtmetall) geliefert. Im Zubehörhandel ist dieser Adapter auch einzeln sehr günstig zu bekommen.


Zur Befestigung wird der Blitzschuh über die seitliche Schraube geöffnet und mit eingesetztem Blitzgerät dann wieder festgezogen.

Meine Wertung: Günstig in der Anschaffung, aber äußerst gefährlich bei der Benutzung. Ist die Schraube nicht zu 100% festgezogen oder wird sie zur Entnahme des Blitzgerätes unvorsichtig gelöst, kann der Aufsteckblitz herausrutschen und legt dabei in den meisten Fällen die Strecke zwischen Blitzschuh und Fußboden im freien Fall zurück. Kommt daher bei mir definitiv nicht wieder zum Einsatz, auch wenn der Blitz das glücklicherweise überlebt hat.


Adapter 3: Eckiger Adapter aus Kunststoff und Metall

Ein einfacher Adapter. Ebenfalls sehr günstig zu bekommen, manchmal auch Bestandteil von Equipment der unteren Preisklasse.


Zu diesem Adapter gibt es nicht viel zu sagen, er tut seinen Job.

Meine Wertung: Funktioniert - zumindest bei mir - ohne Probleme. Vereinzelt ist auch zu lesen, dass die Stabilität und Maßhaltigkeit bei diesem Modell nicht so gut wäre. Diese Erfahrung kann ich nicht teilen. Ich nutze diesen Adapter dauerhaft auf einer ArcaSwiss-Platte montiert.


Adapter 4: SmallRig Coldshoe 1241

Dieser Adapter stammt vom bekannten Hersteller SmallRig und ist Bestandteil einer Befestigungsserie.


Der Adapter ist sauber verarbeitet und bietet verschiedene Befestigungsmöglichkeiten, unter anderem auch das übliche 1/4" Gewinde. Der Adapter hat aufgedruckte Pfeile, die die Richtung anzeigen, in die das Gerät eingeführt wird. Nach vorne hin ist der Schuh geschlossen, so dass ein versehentliches Herausrutschen in diese Richtung nicht möglich ist. Je nach Händler bekommt man diesen Adapter für unter 10 Euro, also auch nicht wesentlich teurer als andere Adapter.

Meine Wertung: Tolles Teil, aber leider absolut nicht für die Verwendung mit Aufsteckblitzen geeignet. Denn der federnd gelagerte Mittenkontakt des Aufsteckblitzes blockiert den Blitzfuß in den Schraubenöffnungen, so dass man den Aufsteckblitz zwar in den Adapter hinein, aber später nicht mehr heraus bekommt. Sehr ärgerlich. Zumindest für diesen Anwendungsfall eine völlige Fehlinvestition.


Adapter 5: Runder Adapter aus Kunststoff

Klein, rund, schwarz, günstig, gut. Damit ist auch schon alles zu den Eigenschaften gesagt.


Dieser Adapter hat auf der Unterseite ein Metallgewinde und eine Anschrägung in der Aufnahme für den Mittenkontakt. Der Blitzfuß sitzt so stramm in dem Adapter, dass man die obligatorische Befestigungsvorrichtung am Blitz eigentlich gar nicht benötigen würde. Das schafft Vertrauen. Der Adapter ist komplett aus bruchfestem Kunststoff und daher äußerst robust und langlebig. Durch seine runde Bauform passt er auch ideal auf einen Kugelkopf oder Schirmneiger.

Meine Wertung: Mein absoluter Favorit. Und inklusive Versand schon für unter 5 Euro zu bekommen.



Fazit: Für kleines Geld und mit wenig Aufwand kann man seine Aufsteckblitze mit Adaptern an einem Stativ befestigen. Ganz gleich, ob es ein normales 2,50 m Lichtstativ ist oder das teure Carbon-Reisestativ - Hauptsache, es hat die übliche 1/4" Schraube.



Sonntag, 26. November 2017

Cullmann Magnesit Copter mit Schnellwechselaufnahme ausrüsten

Meine Kameras sind mittlerweile alle mit Arca Swiss kompatiblen Schnellwechselplatten versehen. Mein Immer-dabei-Stativ Cullmann Magnesit Copter sollte daher nun auch mit einer Aufnahme für diese Schnellwechselplatten ausgerüstet werden, damit ich unterwegs nicht jedes Mal erst die Schnellwechselplatte abschrauben muss, um die Kamera dann mittels normalem 1/4" Stativgewinde auf dem Magnesit Copter befestigen zu können.

Da ich in der jüngeren Vergangenheit mit den Produkten von Mengs recht gute Erfahrungen gemacht habe, habe ich mir eine Schnellwechselaufnahme K30 inkl. Schnellwechselplatte von Mengs bestellt. Das Doppelpack (also zwei Aufnahmen K30, jeweils mit Schnellwechselplatte) habe ich direkt aus China für unter 16 Euro bekommen, inkl. Versandkosten. In Deutschland bezahlt man etwa 20 Euro zzgl. Versandkosten für eine einzelne Aufnahme.

Diese Arca Swiss kompatible Aufnahme macht einen sehr guten Eindruck und funktioniert hervorragend mit allen meinen Schnellwechselplatten (auch mit denen von Rollei) und ist mit einem 1/4"-Innengewinde ausgestattet. Man benötigt also keinen Adapter für die Befestigung auf dem Magnesit Copter, die Aufnahme lässt sich ganz normal von Hand auf den Kugelkopf schrauben.

Das sieht dann so aus:

Cullmann Magnesit Copter mit Mengs K30 Arca Swiss Schnellwechselaufnahme

Da sich der mit dem Stativ mitgelieferte Adapter für Blitzgeräte jetzt nicht mehr ganz so einfach wie vorher nutzen lässt, habe ich für meine Blitzgeräte eine zusätzliche Arca Swiss kompatible Schnellwechselplatte mit dauerhaft montierten Blitzschuh vorgesehen. Somit wird aus dem Nachteil sogar ein Vorteil, denn nun lassen sich auch Blitze sehr schnell wechseln. Und das nicht nur auf dem Magnesit Copter, sondern auf allen Arca Swiss kompatiblen Stativen.

Bestückt mit einer Arca Swiss kompatiblen DSLR sieht das Stativ dann so aus:

Cullmann Magnesit Copter mit Mengs K30 Arca Swiss Schnellwechselaufnahme

Mit der Schnellwechselaufnahme K30 von Mengs wird das Stativ nochmal 2 cm höher und 81 Gramm schwerer. Das Stativ ist aber mit 370 Gramm Gesamtgewicht und 24 cm Packmaß immer noch gut für eine kleine Fototasche geeignet. Ein Immer-dabei-Stativ eben, jetzt auch mit Schnellwechselvorrichtung..

Montag, 30. Oktober 2017

Arca Swiss - und was Rollei daraus macht

Mein Stativ Rollei C5i Carbon (mit FPH-52Q Kugelkopf) sollte jetzt mit zusätzlichen Arca Swiss kompatiblen Schnellwechselplatten erweitert werden, damit man bei Bedarf auch wirklich mal schnell wechseln kann. Mit nur einer einzigen Schnellwechselplatte müsste ich sonst bei verschiedenen Kameras jedes Mal die Schnellwechselplatte ab- und wieder anschrauben. Das geht zwar relativ schnell und ist auch nicht so viel Aufwand, aber eine fest an jeder Kamera montierte Schnellwechselplatte macht das Ganze erst wirklich komfortabel.

Da ich auch noch das kleine Sirui T-005X Stativ mit Arca Swiss kompatibler Aufnahme (C-10S Kugelkopf) habe, stellte sich die Frage, ob ich weitere Schnellwechselplatten nun von Rollei oder von Sirui kaufen sollte. Die beim C5i mitgelieferte 50mm Platte macht so eigentlich einen recht soliden Eindruck. Außerdem funktioniert die Sicherung der Rollei-Platten mit den überstehenden Schraubenköpfen gegen das Herausrutschen der Platte beim versehentlichen Lösen der Klemme zwar am Sirui-Kopf, aber die Sicherung der Sirui-Platten nicht bei Rollei. Denn Sirui setzt als Sicherungsmaßnahme ein anderes Verfahren mit einem versenkbaren Sicherungsstift ein. Deshalb habe ich mich für die QAL-50 von Rollei entschieden, die für ca. 20 Euro im Doppelpack erhältlich sind - und natürlich Arca Swiss kompatibel...

Nach dem Erhalt der neuen Platten habe ich diese gleich am Kopf des Rollei C5i angebracht und musste leider feststellen, dass beide Platten bei vollständig angezogener Klemme in der Aufnahme hin und her rutschen, so als wäre die Klemme leicht geöffnet. Etwas irritiert habe ich die Platten dann ins Sirui eingesetzt, hier ließen sich beide Platten jedoch problemlos fixieren. Irgendetwas ist hier also inkompatibel zum Arca Swiss Standard.

Interessanterweise liegen die Arca Swiss Inkompatibilitäten hier nicht zwischen den Produkten verschiedener Hersteller oder billigen NoName-Produkten, sondern ausschließlich zwischen den Produkten eines Herstellers, der sich in den letzten Jahren eigentlich einen recht guten Namen bei Stativen gemacht hat - Fotopro unter dem Label Rollei.

Bei genauer Betrachtung habe ich dann gesehen, dass die neuen Rollei-Platten entweder zu klein sind oder die Aufnahme im Rollei-Kugelkopf im geschlossenen Zustand zu groß ist. Ich tippe mal eher auf letzteres, da die beiden Rollei-Platten in der Aufnahme des Sirui-Stativs keinerlei Probleme bereiten.

Im nachfolgenden Bild ist gut zu sehen, dass auf der linken Seite ein Spalt von mindestens 0,5 mm verbleibt, obwohl die Aufnahme der Klemme komplett geschlossen ist:
Rollei Arca Swis Aufnahme - rutschende Schnellwechselplatte wegen zu viel Spiel durch zu hohe Toleranzen


Da es sich in diesem Fall durchgängig um Produkte von Rollei handelt, habe ich daraufhin den Rollei-Support angeschrieben, mein Problem geschildert und um einen Lösungsvorschlag gebeten. Einen Umtausch der neu gekauften Platten sehe ich zu diesem Zeitpunkt nicht als sinnvoll an, da zu befürchten ist, dass auch die umgetauschten Platten vom gleichen Händler wieder zu klein sein könnten. Denn sie stammen sehr wahrscheinlich aus der gleichen Lieferung und somit aus derselben Fertigungsreihe mit den gleichen Toleranzen. Zu viel Aufwand für zu wenig Erfolgsaussichten.

Mal sehen, wie sich Rollei in den nächsten Tagen dazu äußert...


Update Freitag, 05.11.17:

Keinerlei Rückmeldung vom Rollei-Support bisher. Ich vermute, da wird wohl jetzt auch nichts mehr kommen...

Meine neuen Platten habe ich zwischenzeitlich mal an einem anderen Rollei C5i ausprobiert: dort passen sie einwandfrei und ohne Spiel. Glücklicherweise habe ich mir den Aufwand der Rücksendung der neuen Platten erspart, denn offensichtlich ist die Schnellwechselklemme an meinem C5i bei der Fertigung wohl etwas aus der Toleranz geraten. Ob Abweichungen von mehr als fünf zehntel Millimetern bei Massenprodukten von namhaften Herstellern im Zeitalter von CNC-Fräsen akzeptabel sind, das lasse ich einfach mal so stehen.

Die Aufnahmevorrichtung gibt es leider nicht einzeln zu kaufen und ein kompletter Kugelkopf von Rollei (52Q bzw. dessen Nachfolger T2S) inklusive Klemme kostet mal eben stolze 49 Euro. Eine Reklamation des Stativs beim Händler wird vermutlich schwierig werden, da es keine explizit zugesicherte Eigenschaft des Stativs ist, dass dort auch jede andere Schnellwechselplatte passen muss - selbst wenn sie vom gleichen Hersteller sind. Auch hier zu viel Aufwand für zu wenig Erfolgsaussichten.

Also nun weiter mit Plan B.

Da die Aufnahme nur mit einer Innensechskantschraube am Kugelkopf befestigt ist, war meine Idee nun, die Aufnahme vom Kugelkopf abzuschrauben und gegen eine andere Aufnahme auszutauschen. Nun ja, so einfach ist das nun doch nicht. Die Schraube saß bombenfest und ließ sich absolut nicht lösen. Meine erfolglosen Versuche haben den Innensechskant der Schraube völlig vernudelt. Ich habe dabei übrigens keinen Einweg-Inbusschlüssel eines schwedischen Möbelhauses oder den von Rollei zum Stativ mitgelieferten Schlüssel verwendet, sondern tatsächlich hochwertiges Werkzeug von Wera.

Nun war der einzige Ausweg nur noch der Schraubstock mit Linksausdreher. Und selbst hier war einiges an Kraft erforderlich, aber die Schraube ließ sich aber so letztendlich rausdrehen. Warum in aller Welt erweckt Rollei den Eindruck, man könnte die Schraube mit dem mitgelieferten Werkzeug lösen, sichert diese dann aber mit Kleber gegen versehentliches und sogar absichtliches Lösen?

Rollei Arca Swiss Aufnahme - Entfernen der Schraube mit Linksausdreher und Gewalt


Ich habe mir jetzt eine neue Aufnahme von Mengs bestellt, eine CL-50S (inklusive einer 50mm Schnellwechselplatte) zum Preis von 16 Euro. Wenn ich bedenke, dass Rollei für eine 50 mm Schnellwechselplatte alleine schon 10 Euro verlangt, dann ist das ein echtes Schnäppchen.

So werde ich nun hoffentlich mein Carbon-Stativ der 250 Euro-Klasse mit billigen China-Ersatzteilen tatsächlich Arca Swiss kompatibel machen. Mal sehen, was Mengs so abliefert, aber schlechter als Rollei kann es ja nicht mehr werden...


Update Donnerstag, 09.11.17:

Eine Antwort von Rollei ist auch bis heute nicht angekommen. Nicht etwa, dass ich deren Hilfe wirklich benötigen würde, um mein Problem zu lösen. Es würde mich vielmehr interessieren, wie der Kundendienst bei Rollei Deutschland nach dem Kauf aussieht. So wie es bis jetzt aussieht, ist man dort scheinbar auch nicht besser aufgehoben als bei einem chinesischen eBay-Händler mit Sitz in Shenzhen...

Zurück zur Problemlösung. Rollei hat für die Befestigung der Klemme auf dem Kugelkopf eine Innensechskantschraube mit 6 mm Durchmesser und 17 mm Länge verwendet. Ein recht ungewöhnliches Maß, finde ich. Da ich die Schraube bei der gewaltsamen Demontage leider mehr oder weniger zerstören und somit ersetzen musste, habe ich mich nun alternativ für ein gängiges Modell mit 16 mm Länge entschieden. 100 Stück aus Edelstahl für 2,90 Euro. Allerdings habe ich jetzt 99 Stück über. Falls also noch jemand eine Schraube benötigt, ich hätte da noch die eine oder andere...

Die Aufnahme von Mengs ließ sich einwandfrei auf dem Kugelkopf von Rollei befestigen und die Schraube hält anscheinend auch ohne Loctite ausreichend fest im Kugelkopfgewinde. Und das wichtigste: tatsächlich klemmt die Mengs-Klemme alle meine Schnellwechselplatten richtig fest. Sogar die beiden von Rollei, die in der Original-Klemme von Rollei locker hin und her gerutscht sind.

Rollei Kugelkopf FP-52Q mit Aufnahme CL-50S von Mengs und Schnellwechselplatte Rollei QAL-50

Ok, so weit, so gut, Problem behoben. Und welchen Eindruck macht die günstige Klemme von Mengs denn noch so?

Die Schnellwechselklemme hat zwei Libellen in der Aufnahme und eine in der seitlichen Schraube, so wie das Gegenstück von Rollei auch. Wer die Libellen der Mengs-Klemme benutzen möchte, um darüber die Kamera waagerecht auszurichten, der kann auch gerne den Stand der Sonne verwenden, um die exakte Uhrzeit zu ermitteln. Schade. Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich gleich eine Klemme ohne integrierte Wasserwaage gekauft. Nicht des Preises wegen, aber lieber gar keine Anzeige, als eine falsche Anzeige.

Die Schraube zum Öffnen und Schließen der Klemme ist übrigens nicht wie bei Rollei mit einem Gummi versehen, sondern aus geriffeltem Vollmaterial. Mir persönlich gefällt das besser. Ansonsten lässt sich die Klemme sehr geschmeidig bedienen. Da hakt und knackt nichts, im Gegensatz zu der Aufnahme von Rollei, die beim Öffnen und Schließen ganz leichte Knackgeräusche macht. Nicht schlimm, aber bei dem Preisgefüge hätte ich es doch eher umgekehrt erwartet.

Die Klemme von Rollei hat eine Größe von 40 x 50 mm, die von Mengs liegt bei 50 x 50 mm. Obwohl die Klemme von Mengs etwas größer ist, lassen sich die Beine des Stativs aber immer noch vernünftig über den Stativkopf zusammenklappen.

Der Mechanismus zur Sicherung gegen ein versehentliches Herausrutschen der Schnellwechselplatte aus der Aufnahme beim leichten Lösen der Klemme funktioniert bei Mengs exakt genau so wie bei Rollei. Hier sind alle Schnellwechselplatten bzw. die Aufnahmen gleich gut.

Der halbrunde Bügel an der Schraube der Rollei-Schnellwechselplatte ist übrigens sehr leichtgängig, was zur Folge hat, das der Bügel nicht dauerhaft fest unter der Platte bleibt, sondern dem Gesetz der Schwerkraft folgend immer wieder ausklappt. Dadurch ist das Einsetzen der Kamera mit der Rollei-Platte in die Schnellwechselklemme ein wenig fummelig, weil der Bügel ständig im Weg ist. Der Bügel an der Mengs-Platte sitzt deutlich strammer, was ich aber nicht als Qualitätsmerkmal werten würde. Die Schrauben von Rollei und Mengs sehen sich dermaßen ähnlich, dass ich vielmehr vermuten würde, dass beide Schrauben vom gleichen Zulieferer stammen und sich das jeweilige Verhalten des Bügels bei den Schnellwechselplatten unterschiedlicher Hersteller wohl eher zufällig anhand von minimalen Fertigungsunterschieden ergibt.


Mein Fazit: Mit billigen Ersatzteilen aus China lässt sich das teure Equipment aus China in einen brauchbaren Zustand versetzen. Natürlich vorausgesetzt, man verfügt über einen Schraubstock und einen Linksausdreher. Ansonsten ist man gezwungen, das teure Equipment aus China mit ebenso teuren Ersatzteilen aus China nachzubessern, um von der Arca Swiss-Kompatibilität uneingeschränkt profitieren zu können.