Mittwoch, 26. Mai 2021

Erfahrungsbericht Stativ Cullmann Alpha 2500

Das Cullman Alpha 2500 - ein typisches Einsteigerstativ?

Mein erstes Stativ war ein Cullmann Alpha 2500. Um die ersten Versuche mit einem Stativ in der Fotografie zu machen, wollte ich als Anfänger nicht unbedingt gleich einen dreistelligen Euro-Betrag für ein "gutes" Stativ investieren. Ich fand damals, dass 2.500 Cent auch eine Menge Geld sind. Mittlerweile kostet das Stativ knapp 30 Euro, was aber nach den Jahren immer noch akzeptabel ist. Der nachfolgende Beitrag gilt grundsätzlich für alle baugleichen Stative anderer Hersteller (z.B. Hama) und natürlich auch für das Alpha 2800, das im Grunde identisch, aber insgesamt etwas größer ist.

Wer billig kauft, kauft zweimal

Es gibt die allgemein bekannte Weisheit "Wer billig kauft, kauft zweimal". Die trifft auch auf dieses Stativ zu. Das bedeutet aber nicht, dass das Stativ schlecht ist. Ich benutze es heute immer noch gerne, habe aber mittlerweile mehr als "zweimal gekauft" und somit auch wesentlich teurere Stative in meinem Besitz. Man kann nicht abstreiten, dass Stative oberhalb der 100-Euro-Grenze besser verarbeitet und deutlich stabiler sind. Aber gleich so viel Geld auszugeben, wenn man noch gar nicht weiß, ob einem ein Stativ überhaupt einen Mehrwert bei der Fotografie bietet, ist auch nicht gut. So hat man dann zwar nur einmal gekauft, aber am Ende doch mehr Geld versenkt.

Die Stativbeine - eine Glaubensfrage

Bei der Art und Weise, wie die Segmente der Stativbeine am besten ent- und verriegelt werden, scheiden sich oft die Geister. Viele Stative haben Drehverschlüsse, andere Stative, so wie das Alpha 2500, haben Klappverschlüsse. Ob Dreh- oder Klappverschlüsse, das ist letztlich wirklich eine Frage der persönlichen Vorliebe. Die Beine des Alpha 2500 sind aus Aluminium und haben jeweils zwei ausfahrbare Segmente. Das Stativ kommt damit bei eingefahrener Mittelsäule auf eine Höhe von 129 cm an der Oberkante der Schnellkupplungsplatte. Fährt man die Mittelsäule noch komplett aus, sind es ca. 165 cm. Das reicht aus, damit Personen mit 190 cm Körperhöhe die Kamera in einer angenehmen Arbeitshöhe haben. In der niedrigsten Stellung mit allen Segmenten eingefahren sind immer noch 62 cm. Weniger geht nicht. Durch diese Konstruktion kommt es zu einem Packmaß von 61 cm, was dieses Stativ nicht gerade zu einem idealen Reisestativ macht, denn ein gutes Reisestativ kommt gerade mal auf die Hälfte. Trotzdem hatte ich das Alpha 2500 auch schon auf dem Fahrrad mit, ohne dass es mich wirklich gestört hat. Am letzten Segment sind die Stativbeine mit beweglichen Gummifüßen versehen, die drinnen und draußen für einen ordentlichen Stand sorgen.

Die proprietäre Cullmann Schnellkupplung

Stative haben zur Befestigung der Kamera in der Regel entweder eine 1/4"-Schraube oder eine Arca Swiss kompatible Aufnahme. Nicht so das Alpha 2500, das hat eine sogenannte Schnellkupplung, die es in dieser Form auch nur bei diesem Stativ gibt. Das ist eine kleine Platte mit einer Schraube, die am Boden der Kamera in das Stativgewinde geschraubt wird. Also so ähnlich, wie eine Arca Swiss kompatible Platte. Die Schnellkupplungsplatte wird dann mit der Kamera auf den Stativkopf gesetzt und mit einem Hebel verriegelt. An sich keine schlechte Lösung, wenn man nur eine Kamera und nur ein Stativ hat. Perfekt für Einsteiger, denn die fangen oft in dieser Konstellation "eine Kamera, ein Stativ" an. Die Platten lassen sich im Zubehör für weniger als 10 Euro nachkaufen, wenn man doch eine zweite Kamera haben sollte und nicht dauernd die Platte wechseln möchte. Ich habe mein Alpha 2500 jedoch schon sehr früh auf Arca Swiss adaptiert und würde das jederzeit wieder tun. Damit erhöht sich die Arbeitshöhe auch um weitere 2 cm. Grundsätzlich bleibt anzumerken, dass die Schnellkupplung am Alpha 2500 in der Aufnahme nicht ganz so spielfrei ist, wie eine Arca Swiss Halterung direkt auf einem Kugelkopf bei teureren Stativen. Da die maximale Last des Alpha 2500 mit 2,5 kg angegeben ist, sollte man auch nicht mehr als eine leichte DSLR mit einem kleinen Objektiv darauf befestigen.

Der Multifunktions-Stativkopf

Auch beim Stativkopf ist das Alpha 2500 etwas anders, als andere Stative. Es erinnert durch den Drei-Wege-Neiger mit dem langem Griff mehr an ein Videostativ. Dreht man an dem Griffstück, kann man damit den Stativkopf für die vertikale Verstellung lösen oder fixieren. Die horizontale Verstellung ist möglich, wenn an der linken Seite am Stativkopf eine große Rändelschraube gelöst wird. Mit dem langen Griff können dann mehr oder weniger gleichmäßige Schwenks vorgenommen werden. Für Panoramafotos völlig ausreichend, für Videoaufnahmen jedoch etwas hakelig. An der rechte Seite des Stativkopfs befindet sich eine Flügelschraube. Löst man diese, so kann man den oberen Teil des Kopfes um ca. 90 Grad kippen. So lässt sich die Kamera schnell ins Hochformat bringen, ohne dass sie auf dem Stativkopf umgesetzt werden muss.

Die stufenlos verstellbare Mittelsäule

Die Mittelsäule lässt sich mit einer ausklappbaren Kurbel in der Höhe verstellen und bei Bedarf durch eine Überwurfmutter fixieren. Auch das erinnert ein Stück weit an ein Videostativ. Allerdings ist die Mittelsäule in sich etwas instabil, so dass diese nach Möglichkeit besser versenkt bleiben sollte.

Sonstige Gadgets

Das Stativ besitzt zwei Wasserwagen für eine korrekte Ausrichtung. Eine kleine Dosenlibelle befindet sich auf der Stativschulter, um die Stativsäule senkrecht in Waage auszurichten. Eine andere Libelle befindet sich oben am Stativkopf zur vertikalen Ausrichtung. Diese Libelle ist bei eingesetzter Schnellkupplungsplatte jedoch nur von der Seite her sichtbar, da die Sicht von oben durch die Platte bzw. durch die Kamera verdeckt wird.

Unten an der Mittelsäule befindet sich ein großer Haken, um dort ohne viel Aufwand Gewichte (z.B. die Fototasche) anzubringen, damit das Stativ beschwert wird. Mit einem zusätzlichen Gewicht wird es zwar nicht unempfindlicher gegen Schwingungen, aber es kann zumindest nicht mehr so leicht durch einen Windstoß umkippen.

Oben an der Mittelsäule befindet sich auch ein solider Tragegriff, mit dem man das Stativ bequem über kurze Strecken transportieren kann, sogar mit montierter Kamera. Für den grundsätzlichen Transport ist eine einfache Tasche mit Schultergurt dabei.

Haltbarkeit

Das einzige, was an diesem Stativ wirklich empfindlich ist, das ist der O-Ring am Ende der Mittelsäule. Dieser Ring soll ein zu weites Aufklappen des Stativs verhindern, indem er an einer gewissen Position blockiert.  Einmal habe ich ihn verloren, einmal ist er gerissen. Ersatz bekommt man relativ einfach und preiswert, indem man einen ganz normalen O-Ring mit 26 mm Innendurchmesser und 3,5 mm Schnurgröße für knapp 2 Euro kauft. Es muss kein Original-Ersatzteil von Cullmann sein. Aber auch ohne den O-Ring funktioniert das Stativ einwandfrei, man muss dann nur etwas aufpassen, wenn man das Stativ aufklappt. Ansonsten gibt es im Gegensatz zu anderen Stativen keine Schrauben, die regelmäßig nachgezogen werden müssen, das Alpha 2500 funktioniert einfach.

Nachnutzung beim Kauf von teureren Stativen

Wer mit dem Alpha 2500 seine ersten Schritte unternommen hat und Gefallen an der Fotografie mit  dem Stativ findet, wird irgendwann wahrscheinlich auf ein teureres Modell umsteigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Alpha 2500 ausgedient hat. Ich nutze das Alpha immer noch als Stativ für Aufsteckblitze. Da ist es absolut egal, ob das Stativ wackelig oder klapprig ist. Für einen entfesselten Blitz oder eine Videoleuchte reicht es völlig aus. Und ganz ehrlich, ab und zu nutze ich es auch noch mal für die Produkt- oder Tabletop-Fotografie.

Fazit

Ich bin froh, dass ich mir dieses Stativ damals zugelegt habe. Auch wenn die allgemeine Empfehlung lautet, man solle für ein Stativ gleich etwas mehr Geld ausgeben, da es in der Regel länger als die Kamera hält. So hatte ich jedenfalls einen preisgünstigen Einstieg in die Fotografie mit Stativen und konnte Aufnahmen machen, die ohne Stativ gar nicht möglich gewesen wären. Für Anfänger, die auf den Geldbeutel schauen, würde ich die Empfehlung für dieses Stativ (oder ein baugleiches Modell von einem anderen Hersteller) aussprechen. Hier im Blog findet ihr übrigens auch einen Beitrag über mein Rollei C5i Carbon, welches das zehnfache gekostet hat und mich zu dieser Erkenntnis geführt hat: Man kann auch teuer kaufen, um zweimal zu kaufen.


Freitag, 1. Januar 2021

Erfahrungsbericht Sony RX100: Sind Kompaktkameras wirklich so gut wie vielfach behauptet wird?

Meine Erfahrungen mit der RX100 als Alternative zur Systemkamera

Vor allem bei Städtereisen oder Outdoor-Freizeitaktivitäten wie Wandern oder Mountainbiken bietet sich eine kleine kompakte Kamera wegen des geringen Gewichts und der geringen Größe an. Ich will hier in diesem Bericht meine Erfahrungen mit Kompaktkameras anhand einer Sony DSC RX100 der ersten Generation (Mark I) aufzeigen - wobei das meiste auch auf die neueren Modelle übertragbar ist. 

Auch wenn Kompaktkameras gerne für Videoaufnahmen eingesetzt werden, will ich das Thema Video hier weitgehend ausklammern. In diesem Artikel wird ausschließlich der Aspekt der Fotografie und des allgemeinen Handlings betrachtet.


Sony DSC RX100 (Mark I) mit Griff AG-R2

Warum für Fotos keine einfache Point-and-Shoot-Kamera, sondern eine teure Edel-Kompakte?

Wenn man über die Anfängerphase der Fotografie hinaus ist, hat man irgendwann gewisse Ansprüche an eine Kamera. Bei mir sind das der manuelle Modus M und die Halbautomatiken A und S sowie die Möglichkeit RAW-Dateien zu erzeugen. Damit fallen schon viele Kameras aus der engeren Auswahl heraus. Vielleicht bin ich mit diesen Kriterien auch die Ausnahme, denn wenn man sich mal bei den Kaufangeboten von gebrauchten Kompaktkameras auf den Bildern anschaut, in welcher Position das Moduswahlrad steht, dann ist dort selten eine dieser Einstellungen gewählt. Letztlich setzt aber jeder seine eigenen Prioritäten, die am Ende zum Kauf einer High-End-Kompaktkamera führen können. Bei dem einen mag es vielleicht die Sensorgröße sein, bei dem anderen das lichtstarke Objektiv oder vielleicht auch ein großer Brennweitenbereich.


Gebrauchtkauf: Warum eine Sony RX100 Mark I? Es gibt doch neuere und bessere Modelle!

Die RX100 ist 2012 erschienen und Sony hat seitdem fast jedes Jahr ein neues Modell der RX100 herausgebracht. Aktuell ist die Generation 7 (Mark VII).  Da die ursprüngliche RX100 (Mark I) immer noch produziert wird, ist anzunehmen, dass die Mark I technisch nicht überaltert sein kann und durchaus noch ihre Existenzberechtigung am Markt hat. Da ich bereits diverse DSLR und spiegellose Systemkameras besitze, wollte ich für eine Kompaktkamera erstmal nur ein begrenztes Budget von maximal 200 EUR einsetzen.

Aktuell hat die Sony RX100 Mark I als günstigstes Modell der Reihe einen Neupreis von unter 300 EUR. Gebrauchte und gut erhaltene Exemplare liegen ungefähr bei der Hälfte. Die neueren Modellvarianten sind mittlerweile im Neupreis stark gefallen, was sich aber nicht sonderlich auf den Gebrauchtpreis auswirkt. Klar, wer einmal 800 EUR für seine neue RX100 Mark III bezahlt hat, der möchte heute mindestens noch zwischen 300 und 400 EUR dafür haben, auch wenn sie im Laden neu schon für 500 EUR zu haben ist. Damit ist es trotz sinkender Neupreise sehr unwahrscheinlich, hier ein Schnäppchen mit einer gebrauchten Mark III zu machen.

Die RX100 Mark II ist grundsätzlich teurer als die Mark I, unterscheidet sich aber nur in zwei Details: Die Mark II hat einen Blitzschuh für Aufsteckblitze und ein klappbares Display. Mal ganz ehrlich - wenn ich schon einen großen Aufsteckblitz mitschleppe, muss es dann zwingend eine Kompaktkamera sein? Dann spielen die paar Gramm Mehrgewicht einer spiegellosen Systemkamera auch keine Rolle mehr. Das hat Sony offenbar auch erkannt und kein weiteres Nachfolgemodell mit einem Blitzschuh ausgestattet. Abgesehen davon haben die Modelle ab Mark III einen elektronischen Sucher, so dass für einen Blitzschuh einfach kein Platz mehr bleibt, will man nicht auf den eingebauten Blitz verzichten. Die andere Neuerung gegenüber der Mark II gegenüber der Mark I ist das klappbare Display. Hier muss man persönlich entscheiden, ob das den Mehrpreis gegenüber der Mark I wert ist. Nun, mir war es das nicht wert.

Letztlich ist es eine RX100 Mark I mit kleineren Gebrauchsspuren am Gehäuse geworden, für etwas mehr als 100 EUR. Da ich die Kamera hauptsächlich unterwegs und nicht im Wohnzimmer benutze, wird vermutlich der eine oder andere Kratzer noch dazukommen. Den Rest des Budgets werde ich für Zubehör ausgeben: Akku, Griff, Filteradapter und Tasche. Mehr dazu weiter unten.


Wo ist denn das Ladegerät?

Ich war etwas erstaunt, als ich festgestellt habe, dass bei der Kamera kein Akkuladegerät zum Lieferumfang gehört. Der Akku wird statt dessen über die Kamera mit einem normalen Micro-USB-Kabel geladen. Was für mich zuerst wie eine Sparmaßnahme aussieht, erscheint auf den zweiten Blick dann wiederum als äußerst zweckmäßig. Wenn ich schon eine kleine Kamera benutze, um Platz und Gewicht zu sparen, warum sollte ich mir noch ein zusätzliches Ladegerät mit mir herumtragen, wenn die Kamera das Ladegerät sein kann? Und zur Not kann man unterwegs den Akku auf diese Weise auch mit einer Powerbank aufladen, wenn gerade mal keine Steckdose in der Nähe ist.

Bei der Kamera ist ein Akku vom Typ NP-BX1 im Lieferumfang dabei. Meiner ist mittlerweile über sieben Jahre alt, ist aber soweit noch ok. Da es mich ungemein beruhigt, wenn ich noch einen geladenen Akku dabei habe, habe ich mir umgehend einen zweiten Akku gekauft. Die Auswahl an kompatiblen Akkus für die RX100 ist riesig. Da der Aufpreis für den Original-Akku von Sony gegenüber den Produkten von namhaften Drittanbietern vertretbar ist, habe ich mich für das Original entschieden.

Laut Bedienungsanleitung reicht ein voller Akku für über 300 Aufnahmen. Das ist mehr, als ich an einem Tag normalerweise mache. In der Praxis komme ich bei Tagesausflügen sehr gut mit einem einzigen Akku aus. Anders sieht es bei Videoaufnahmen aus. Ich nutze die Videofunktion nur von Zeit zu Zeit, um den Akku komplett zu entladen und dann wieder vollständig zu laden. Auf diese Weise kann ich den vollen Akku in etwas mehr als einer Stunde entladen. Sony gibt die Laufzeit bei Videoaufzeichnungen mit 80 Minuten an, das passt ungefähr. Wer viel filmt, der kommt um einen zweiten Akku nicht herum.


Die RX100 auf dem Stativ ...

Die Kamera hat an der Unterseite das übliche Gewinde für eine 1/4" Stativschraube - allerdings nicht in der Objektivmitte, sondern etwas seitlich versetzt, was Panoramaaufnahmen auf dem Stativ nicht gerade vereinfacht. Leider hatte ich bisher noch keine Möglichkeit, das Panoramaprogramm der RX100 auf dem Stativ ausgiebig zu testen.

Alle meine Stative haben eine Arca Swiss kompatible Aufnahme. Selbst mein kleinstes Cullmann Magnesit Copter habe ich vor einiger Zeit auf Arca Swiss umgerüstet. Damit liegt es Nahe, auch die RX100 darauf anzupassen. Zwar lässt sich eine Arca Swiss kompatible Platte problemlos an der Unterseite der RX100 anbringen, allerdings blockiert selbst die kleinste Platte den Deckel für Akku und Speicherkarte. Es gibt jedoch spezielle Handgriffe für die RX100 (z.B. den HG-RX100 von JJC) die die Schwierigkeit mit dem Deckel nicht haben und gleichzeitig noch andere Probleme lösen: Die Kamera lässt sich mittels durchgängiger Schiene mittig auf dem Stativ befestigen und bietet noch auch einen Kameragriff, wo sich normalerweise der rechte Mittelfinger befindet, um die Kamera zu stabil zu halten.

Da ich mit der RX100 recht wenig auf dem Stativ fotografiere, kann ich damit leben, bei Bedarf schnell mal eine Platte anzubringen. Beim Thema Stativ sind wir wieder da, wo wir bereits beim Aufsteckblitz waren: Wenn ich schon ein Stativ mit 1,3 kg Gewicht und 50 cm Packmaß mitnehme, dann kann es auch ruhig die spiegellose Systemkamera oder gar die DSLR sein.


... und in der Hand.

Der Handgriff von JJC ist eine gute Lösung, bedeutet aber auch wieder ein größeres Maß und mehr Gewicht. Die paar Gramm Aluminium mögen vernachlässigbar sein, aber die Kamera ist halt wieder ein Stück größer. Wenn die Kamera nicht lose im Rucksack oder in der Hosentasche mitgeführt wird, sondern in einer passgenauen Kameratasche am Gürtel, dann kann das unter Umständen schon knapp werden.

Da die RX100 ein glattes, abgerundetes Gehäuse hat, kann es schwierig werden, die Kamera sicher mit einer Hand zu bedienen. Das kann beispielsweise beim Klettern oder Fahrradfahren der Fall sein. Sony bietet dafür den selbstklebenden Griff AG-R2 für ca. 15 EUR an, der sich sehr einfach anbringen lässt. Ob der Griff die Kamera optisch aufwertet, mag jeder für sich beurteilen. Auf jeden Fall verbessert der gummierte Griff das Handling enorm, ohne das Gewicht oder die Abmessungen spürbar zu verändern.


Das Objektiv Carl Zeiss Vario Sonnar 1,8-4,9/10,4-37,1

Im Gegensatz zu einer Systemkamera lässt sich bei einer Kompaktkamera das Objektiv nicht wechseln. Man muss also dauerhaft mit dem auskommen, was die Kamera bietet. Die RX100 besitzt ein Objektiv mit Gläsern aus dem Hause Carl Zeiss. Um die Verwirrung etwas in Grenzen zu halten, gibt Sony die Brennweite äquivalent zur Kleinbildkamera an. Auf dem Objektiv ist zwar die Brennweite mit 10,4-37,1 aufgedruckt, ansonsten wird jedoch fast immer die Brennweite mit 28-100 angegeben. Dieser Bereich ist ein angenehmer Weitwinkel bis hin zum leichten Tele. Ab der Mark III beträgt die Brennweite 24-70, was in etwa dem üblichen Bereich eines Kit-Objektivs einer DSLR entspricht.

Der kleinste Blendenwert reicht je nach Zoom von 1,8 bis 4,9. Die Offenblende von 1,8 gilt jedoch nur für den Weitwinkelbereich von exakt 28mm. Beim geringsten Zoom verringert sich die Blende auf 2,0 und hat bereits vor dem Erreichen der 35mm-Marke schon den Wert 2,8. Bei 70mm ist die Blende von 4,0 aber immer noch als akzeptabel zu bezeichnen, bis sie dann oberhalb von 90mm einen Wert von 4,9 erreicht.

Insgesamt ist das Objektiv gelungen, es ist leise und scharf. Bedingt durch den Motorantrieb geht das Zoomen natürlich etwas langsamer als bei einem Objektiv an einer Systemkamera. Der Bildstabilisator arbeitet einwandfrei und auch der Autofokus lässt zumindest bei mir keine Wünsche offen.


Die Lösung des Filter-Problems

Anders als Wechselobjektive haben Objektive von Kompaktkameras kein Filtergewinde. Das ist ein Nachteil, wenn man einen CPL- oder ND-Filter anbringen möchte. Einige Modelle der RX100 (Mark III bis V) verfügen über einen integrierten ND8-Filter, der sich bei Bedarf aktivieren lässt. Wem ein ND8 nicht ausreicht oder wer einen Polarisations-Filter anbringen möchte, der kann den Adapter VFA-49R1 von Sony verwenden oder auf eine Lösung von Drittanbietern ausweichen. Ich habe mich für den Magnet-Adapter MagFilter von Carry Speed entschieden und bin damit absolut zufrieden. Mit der Gewindegröße von 58mm kann ich alle meine vorhandenen Filter verwenden. Dieser Adapter passt bei allen RX100-Modellen.

Bei diesem Adapter wird ein kleiner selbstklebender und unauffälliger Metallring vorne am Objektiv befestigt. Wie unauffällig dieser Ring ist, kann man oben auf dem Foto am Anfang des Artikels sehen. Darauf setzt man dann den magnetischen Filteradapter auf. Auch wenn der Adapter von Carry Speed komfortabel in der Anwendung ist, so ist das nichts für den Dauerbetrieb, wie bei Schraubfiltern bei Wechselobjektiven an Systemkameras. Zu hoch ist hier das Risiko, dass man den Adapter inklusive Filter unterwegs oder beim Verstauen der Kamera verliert, auch wenn der Magnet an sich recht gut hält.

Sony DSC RX100 mit Carry Speed Magnetadapter und 58mm Polfilter

In Sack und Pack

Die handliche Größe und das geringe Gewicht verleiten dazu, die Kamera einfach in der Hosen- oder Jackentasche mit sich zu führen. Als Immer-dabei-Kamera ist das auch Ok. Wohin aber mit Ersatzakku, Filteradapter und Arca Swiss-Platte? Und verträgt sich die Kamera mit dem Schlüsselbund in der gleichen Tasche? Hier bietet sich dann doch eine passende Kameratasche an. Auch hier ist die Auswahl an Taschen für Kompaktkameras unendlich. Ich habe mich für eine Tasche von Sony entschieden, die LCS-CSJ Universaltasche für 20 EUR. Die Kamera passt mit der Handschlaufe bequem ins Hauptfach und die anderen Kleinteile lassen sich in den anderen beiden Fächern unterbringen. Die Tasche lässt sich mit Klettbändern (nicht mitgeliefert) über die Gürtelschlaufe vorne am Rucksackgurt befestigen, so dass man die Kamera unterwegs schnell im Zugriff hat.


Die fotografischen Qualitäten der RX100

Natürlich kann man die RX100 mit klassischen Point-and-Shoot-Kameras aus der 100 EUR-Kategorie vergleichen, Man kann sie auch mit APS-C Systemkameras wie der Sony Alpha 6000 oder der Canon EOS M6 vergleichen. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Es kommt immer darauf an, was man damit machen möchte. Dass die Kamera von Anfang an von den Medien so positiv bewertet wurde, hat durchaus seinen Grund. Die Kamera ist zweifelsfrei gut. Doch nicht ohne ein "aber" im Nachgang.

Ich nutze die RX100 fast ausschließlich für die Landschaftsfotografie. Dort verwende ich meistens eine Blende 8 für eine ausreichende Schärfentiefe. Wenn ich etwas freistellen möchte, also ein scharfes Vordergrundmotiv mit unscharfem Hintergrund, dann gehe ich mit dem Blendenwert so weit wie möglich runter und aus dem Weitwinkelbereich raus auf mindestens 50mm. Die RX100 kommt beim Freistellen definitiv an ihre Grenzen. Das gilt übrigens für viele Kompaktkameras mit 1"-Sensor.

Der Bildsensor mit einem Crop-Faktor von 2,7 ist etwas mehr als doppelt so groß wie der eines Smartphones (z.B. iPhone XS). Das reicht aber nicht, um Motive genauso einfach freizustellen wie mit einer APS-C oder Vollformatkamera. Hier muss man schon ein wenig tricksen und einen weit entfernten Hintergrund bei möglichst kurzem Abstand zum Motiv wählen. Meiner Meinung nach ist die RX100 nicht primär für die Porträtfotografie (oder ähnliche Anwendungen) geeignet.

Bei der Architektur- oder Landschaftsfotografie kann die RX100 ihre Stärken zeigen. Die zahlreichen Automatikprogramme sorgen dafür, dass auch ohne besondere fotografische Kenntnisse gute Ergebnisse erzielt werden können.

Der eingebaute Blitz kann auf kurze Entfernungen als Aufhellblitz genutzt werden, man darf hier aber keine Wunder bei Leistung und Reichweite erwarten. Regelt man die Leistung über die Blitzkompensation vollständig runter, dann kann man darüber einen entfesselten Blitz auslösen, wenn dieser als optischer Slave eingestellt ist.


Update Mai 2021

Ein Hinweis aus der Praxis: Aufgrund der kürzesten Verschlusszeit von nur 1/2000 bei den Modellen RX100 bis einschließlich Mark III ist man im manuellen Modus M oder in der Halbautomatik A bei strahlendem Sonnenschein darauf angewiesen, die Blende entsprechend zu schließen, die Belichtungskorrektur herunterzudrehen oder einen ND-Filter zu verwenden um Überbelichtungen zu vermeiden. Wer hingegen die Automatikprogramme benutzt, wird damit wohl wenig Probleme haben.


Fazit

Eine wirklich gute, leistungsfähige und ausgereifte Kamera, die man immer dabei haben kann. Die Stärken sind gute fotografische Leistungen bei minimalen Maßen und Gewicht. Ich bin mit der Mark I absolut zufrieden, so dass ich momentan kein Bedürfnis habe, die Kamera gegen ein moderneres Modell tauschen zu wollen.

Für den Fall, dass ich mit Stativ oder Aufsteckblitz unterwegs bin oder spezielle Anforderungen an das Objektiv habe, wird die Wahl jedoch auf eine andere, größere und schwerere Kamera fallen.

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Blitzschuh-Adapter für Stative - eine Übersicht

Wer seine Blitze entfesselt einsetzen möchte, hat mehrere Möglichkeiten, die Blitzgeräte zu platzieren. Am einfachsten ist es, den Blitz dazu auf einem Stativ zu befestigen. Aber wie macht man das am besten?

Richtig, mit einem Adapter. Aber mit welchem?

Im folgenden Beitrag werde ich einige solcher Adapter vorstellen und kurz meine Erfahrungen damit ausführen.


Blitzschuh-Adapter werden oft auch Coldshoe-Adapter genannt. Cold deswegen, weil kein Strom durch diese Adapter fließt. Sie sind ausschließlich zur mechanischen Befestigung von Aufsteckblitzen gedacht. Die Auslösung des Blitzes geschieht dann immer per Funk oder optisch.

Der Aufsteckblitz hat einen Fuß mit mindestens einem Kontakt für die Aufnahme in einem Blitzschuh und das Stativ hat in der Regel eine 1/4"-Schraube. Schon mit einem kostengünstigen Adapter kann man so einen Übergang schaffen.


Natürlich kann man auch mit einen Schirmneiger, der unten ein 1/4"-Gewinde und oben einen Blitzschuh hat, den Blitz auf einem Stativ befestigen. Wer einen solchen Schirmneiger besitzt, der kann grundsätzlich auch damit adaptieren. Ein Schirmneiger erfordert jedoch in jedem Fall ein Stativ. Vielleicht möchte man einen Aufsteckblitz aus Platzgründen auf dem Schrank oder im Regal unterbringen. Das könnte mit einem Stativ schwierig werden. Hierfür bietet sich auch ein kleiner und preiswerter Kugelkopf an, der entsprechend adaptiert wird.


Verständlicherweise stellt sich jetzt die Frage: Was soll der Aufwand mit einem Kugelkopf dazwischen? Kann man da nicht einfach nur den mitgelieferten Blitzständer nehmen? Ja, kann man. Aber der Blitzkopf lässt sich nur um 90 Grad nach oben schwenken. Wenn ich aber von oben - über Kopfhöhe - nach unten blitzen möchte, beispielsweise von einem Schrank herab, dann brauche ich einen Kugelkopf, damit ich den Blitz entsprechend nach unten in Richtung Motiv neigen kann.

Aber zurück zu den Adaptern. Der wohl bekannteste Adapter ist der Blitzständer, der mit dem Aufsteckblitz zusammen geliefert wird oder für ein paar Euro im Zubehörhandel gekauft werden kann.


Adapter 1: Der klassische Blitzständer

Jeder der einen Aufsteckblitz besitzt, hat in der Regel auch einen solchen Blitzständer. Wer den noch nie entdeckt hat, einfach mal in der Blitztasche nachsehen.


Da dieser Schuh ab Werk mit dem Aufsteckblitz mitgeliefert wird, ist das wohl die günstigste Lösung. Dieser Ständer hat auf der Unterseite ein entsprechendes 1/4" Gewinde, mit dem er auf dem Stativ befestigt werden kann.

Meine Wertung: Das günstigste Modell, da dieser Blitzständer im Lieferumfang des Aufsteckblitzes enthalten ist. Universell einsetzbar, kann auch ohne Stativ benutzt werden. Manche Modelle haben nur ein Kunststoffgewinde, besser ist in jedem Fall eine Ausführung mit einem stabilen Metallgewinde.


Adapter 2: Klemm-Adapter aus Aluminium

Der zuvor angesprochene Schirmneiger wird bei den Modellen der untersten Preiskategorie oft mit einem Adapter aus Aluminium (oder anderem Leichtmetall) geliefert. Im Zubehörhandel ist dieser Adapter auch einzeln sehr günstig zu bekommen.


Zur Befestigung wird der Blitzschuh über die seitliche Schraube geöffnet und mit eingesetztem Blitzgerät dann wieder festgezogen.

Meine Wertung: Günstig in der Anschaffung, aber äußerst gefährlich bei der Benutzung. Ist die Schraube nicht zu 100% festgezogen oder wird sie zur Entnahme des Blitzgerätes unvorsichtig gelöst, kann der Aufsteckblitz herausrutschen und legt dabei in den meisten Fällen die Strecke zwischen Blitzschuh und Fußboden im freien Fall zurück. Kommt daher bei mir definitiv nicht wieder zum Einsatz, auch wenn der Blitz das glücklicherweise überlebt hat.


Adapter 3: Eckiger Adapter aus Kunststoff und Metall

Ein einfacher Adapter. Ebenfalls sehr günstig zu bekommen, manchmal auch Bestandteil von Equipment der unteren Preisklasse.


Zu diesem Adapter gibt es nicht viel zu sagen, er tut seinen Job.

Meine Wertung: Funktioniert - zumindest bei mir - ohne Probleme. Vereinzelt ist auch zu lesen, dass die Stabilität und Maßhaltigkeit bei diesem Modell nicht so gut wäre. Diese Erfahrung kann ich nicht teilen. Ich nutze diesen Adapter dauerhaft auf einer ArcaSwiss-Platte montiert.


Adapter 4: SmallRig Coldshoe 1241

Dieser Adapter stammt vom bekannten Hersteller SmallRig und ist Bestandteil einer Befestigungsserie.


Der Adapter ist sauber verarbeitet und bietet verschiedene Befestigungsmöglichkeiten, unter anderem auch das übliche 1/4" Gewinde. Der Adapter hat aufgedruckte Pfeile, die die Richtung anzeigen, in die das Gerät eingeführt wird. Nach vorne hin ist der Schuh geschlossen, so dass ein versehentliches Herausrutschen in diese Richtung nicht möglich ist. Je nach Händler bekommt man diesen Adapter für unter 10 Euro, also auch nicht wesentlich teurer als andere Adapter.

Meine Wertung: Tolles Teil, aber leider absolut nicht für die Verwendung mit Aufsteckblitzen geeignet. Denn der federnd gelagerte Mittenkontakt des Aufsteckblitzes blockiert den Blitzfuß in den Schraubenöffnungen, so dass man den Aufsteckblitz zwar in den Adapter hinein, aber später nicht mehr heraus bekommt. Sehr ärgerlich. Zumindest für diesen Anwendungsfall eine völlige Fehlinvestition.


Adapter 5: Runder Adapter aus Kunststoff

Klein, rund, schwarz, günstig, gut. Damit ist auch schon alles zu den Eigenschaften gesagt.


Dieser Adapter hat auf der Unterseite ein Metallgewinde und eine Anschrägung in der Aufnahme für den Mittenkontakt. Der Blitzfuß sitzt so stramm in dem Adapter, dass man die obligatorische Befestigungsvorrichtung am Blitz eigentlich gar nicht benötigen würde. Das schafft Vertrauen. Der Adapter ist komplett aus bruchfestem Kunststoff und daher äußerst robust und langlebig. Durch seine runde Bauform passt er auch ideal auf einen Kugelkopf oder Schirmneiger.

Meine Wertung: Mein absoluter Favorit. Und inklusive Versand schon für unter 5 Euro zu bekommen.



Fazit: Für kleines Geld und mit wenig Aufwand kann man seine Aufsteckblitze mit Adaptern an einem Stativ befestigen. Ganz gleich, ob es ein normales 2,50 m Lichtstativ ist oder das teure Carbon-Reisestativ - Hauptsache, es hat die übliche 1/4" Schraube.



Dienstag, 5. November 2019

Spiegeleffekt in der Lichtbox

Die selbstgebaute Lichtbox lässt sich für wenig Geld und wenig Aufwand so erweitern, dass interessante Spiegeleffekte erzielt werden können.



Die Umsetzung ist absolut einfach. Man benötigt dafür nur einen rahmenlosen Wechselrahmen (sorry, aber die heißen wirklich so) in den Maßen 30 x 45 cm, idealerweise mit leicht mattierter Oberfläche. Diese Gläser sind meist auf einer Seite (außen) matt und auf der anderen Seite (innen) glänzend.

Dieser Rahmen wird zerlegt und die Glasscheibe in den Boden unserer Lichtbox hineingelegt. Je nach dem, welche Oberfläche oben ist, spiegelt es unterschiedlich stark. Darauf wird dann das zu fotografierende Objekt gestellt und das Licht entsprechend gesetzt. Und fertig.

Viel Spaß bei kreativen Ideen mit der Glasplatte!


Donnerstag, 31. Oktober 2019

Lichtbox für Produktfotografie selbst gebaut

Ja, man kann einen Gegenstand auf den Fußboden legen und ihn dort fotografieren. Das ist meist der Fall, wenn es schnell gehen muss und das Foto nicht schön, sondern zweckmäßig sein muss. Wer jedoch seine Objekte ins richtige Licht rücken möchte, sei es um dieses Objekt irgendwo zum Kauf anzubieten oder weil man einfach nur von seinem Lieblingsstück ein ansprechendes Foto haben möchte, der kommt um ein Lichtzelt oder eine Lichtbox nicht herum.

Fertige Lichtzelte oder Lichtboxen sind schon relativ günstig zu haben. Wer auch nur ein wenig handwerklich geschickt ist, der kann sich seine Lichtbox natürlich auch selber basteln. Dazu existieren verschiedenste Anleitungen und Beispiele, beispielsweise aus einem Karton oder aus Styroporplatten. Diese Modelle sind sehr günstig und schnell gebaut, aber in der Regel auch nicht besonders langlebig.

Hier werde ich beschreiben, wie man eine einfache Lichtbox preiswert und ohne besonders großen Aufwand im Eigenbau herstellt.


Die Anforderungen beim Entwurf der Selbstbau-Lichtbox waren:

-  Kein allzu großer Zeitaufwand bei der Herstellung
-  Möglichst preiswert
-  Stabil, robust und langlebig
-  Geringer Platzbedarf bei Nichtbenutzung

Es sollten also Komponenten sein, die in jedem Baumarkt erhältlich sind und die sofort verwendet werden können. Der Zusammenbau sollte auch für einen handwerklichen Laien mit haushaltsüblichem Werkzeug machbar sein.

Der Einkaufszettel


Für das Grundmodell wird das folgende Material benötigt:

1 x Spanplatte 10 mm weiß 500 x 400 mm
2 x Spanplatte 10 mm weiß 500 x 390 mm
2 x Hartfaserplatte 3 mm weiß 400 x 400 mm
2 x Winkelprofil Kunststoff weiß 25 x 25 x 1000 mm
1 x Winkelprofil Kunststoff weiß 10 x 10 x 500 mm
1 x Fotokarton weiß oder bunt 50 x 70 cm
1 x Doppelseitiges Klebeband ca. 3 m
8 x Filzgleitermax. 25 mm
20 x  Blechschraube Linsenkopf 2,9 x 9,5 mm

Den Fotokarton für den Hintergrunde bekommt man im Schreibwaren- oder Bastelbedarf, den Rest gibt es in jedem Baumarkt, der auch Holzzuschnitt anbietet. Die Kosten für diese Teile liegen bei ungefähr 20 Euro.

Der Bedarf Werkzeug ist überschaubar. Wir brauchen nur eine kleine Handsäge, ein scharfes Bastel-, Cutter- oder Küchenmesser und etwas zum Messen. Ein Lineal oder ein Zollstock ist ausreichend.


Zum Verschrauben der Winkelprofile benötigen wir noch einen passenden Schraubendreher oder einen Akkuschrauber.

Und los geht's ...


Zuerst sägen wir die Winkelprofile auf Länge. Aus den 1-Meter-Stücken der 25 x 25 mm Profile sägen jeweils wir drei kurze Stücke von 2 x 30 cm und 1 x 40 cm, so dass wir jetzt insgesamt sechs Abschnitte haben. Es kommt bei der Länge übrigens nicht auf den Millimeter an.

Das kleine 10 x 10 mm Profil muss gegebenenfalls noch auf 50 cm gekürzt werden, falls es länger ist. Hier müssen wir jedoch genau arbeiten. Das kleine Winkelprofil sollte exakt so lang sein, wie die breite Seite der Spanplatten. Etwas kürzer geht auch, aber auf keinen Fall länger. Am besten nimmt man eine der Spanplatten als Maßvorgabe.

Jetzt kommt das doppelseitige Klebeband zum Einsatz. Bei den breiteren Profilen kommt das Klebeband auf die Innenseite, hier muss aber mindestens 1 cm zur Innenkante hin frei bleiben. Legt man das kleinere, 1 cm breite Profil in das größere Profil hinein, hat man automatisch das erforderliche  Maß. Das Klebeband gut andrücken und den überstehenden Rest mit dem Messer abschneiden. Das kleine Winkelprofil wird anschließend an einer der Außenseiten mit doppelseitigen Klebeband versehen. Auch hier wird das überstehende Klebeband mit dem Messer abgeschnitten. Die Folie auf der sichtbaren Seite des Klebebands bleibt dabei erstmal noch drauf.

Am Ende sieht das dann so aus:


Im nächsten Schritt werden die Winkelprofile auf die Platten für Boden und Deckel geklebt. Das sind die beiden kleineren Platten mit den Maßen 500 x 390 mm. Die kurzen Winkelprofile kommen etwa mittig jeweils an die kurzen Seiten, das lange Profile ebenfalls mittig an eine lange Seite. Die Winkelleisten werden mit einem Spalt angeklebt, und zwar so, dass an den kurzen Seiten die dünnen Hartfaserplatten und an der langen Seite die Spanplatte für die Rückwand hineinpassen. Dazu wird vorher die Folie vom Klebeband entfernt, die jeweilige Seiten- bzw. Rückwand hochkant in das Winkelprofil gestellt und die Spanplatte dann mit möglichst wenig Spiel zur Seite von oben aufgelegt und gut festgedrückt.


Das Klebeband dient nur der vorübergehenden Fixierung. Nachdem die Seitenwand wieder vorsichtig entfernt wurde, wird der Winkel mit den Blechschrauben am Boden bzw. am Deckel verschraubt. Anschließend wird das nächste Winkelprofil verklebt und verschraubt, bis alle sechs Profile befestigt sind.


Die kurzen Profile werden mit drei Schrauben und die langen Profile mit vier Schrauben befestigt. Dabei unbedingt aufpassen, dass man auch wirklich ins Holz und nicht in den Spalt schraubt. Besonders bei den langen Winkeln, bei denen der Spalt etwas breiter ist.



Das kleine 10 x 10 Winkelprofil wird oben auf der Vorderseite des Bodens verklebt, mit der Kante nach außen. Da dieser Winkel nur als Anschlag für den Fotokarton dient und nicht mechanisch belastet wird, muss diese Winkelleiste nicht verschraubt werden.


Auf die Winkelprofile unter dem Boden werden noch die Filzgleiter angebracht, damit die Schraubenköpfe nicht den Untergrund (z.B. die Tischplatte) zerkratzen. Am besten jeweils einen Gleiter links und rechts außen an der hinteren Leiste und jeweils einen Gleiter vorne an den seitlichen Profilen, damit die Box stabil steht. Es empfiehlt sich, jeweils zwei Filzgleiter übereinander zu kleben, damit die Schrauben ganz sicher nichts zerkratzen können. Bevor die Box auf eine empfindliche Unterlage gestellt wird, bitte vorher unbedingt nochmal prüfen, ob das so passt.

Jetzt sind wir soweit: Die Einzelteile können zusammengesteckt werden. Die Seitenwände an der Seite, hinten die Rückwand und zuletzt der Deckel. Zum Schluss wird noch der Fotokarton locker in die Lichtbox eingelegt, so dass eine Hohlkehle, also ein runder Verlauf vom Boden zur Rückwand  entsteht.

Fertig!


So, nun kann das erste hochwertige Produktfoto geschossen werden:


Der Fotokarton kann ganz leicht durch Bögen mit anderen Farben ausgetauscht werden. Damit lassen sich bei den gleichen Motiven ganz andere Wirkungen erzielen.

Besseres Licht durch transparente Wände


Bei der Basisversion der Lichtbox mit massiven Seitenwänden aus Hartfaserplatte ist man bei der Ausleuchtung des Motivs etwas eingeschränkt, da das Licht konstruktionsbedingt immer von vorne in die Lichtbox einfallen muss. Für einfache Produktfotos mag das noch ausreichen, manchmal stößt man damit jedoch an Grenzen.

Eine bessere Ausleuchtung könnte man erreichen, wenn das Licht auch von der Seite kommen würde. Dafür müssten die Wänden jedoch lichtdurchlässig sein.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Wände transparent zu bekommen:

Entweder mit Acrylglas ...


Die Hartfaserplatte der Seitenwand wird gegen eine Acrylglasplatte (weiß opal, 400 x 400 x 2,5 mm) ausgetauscht. Das ist die einfachste Methode. Acrylglas ist jedoch nicht ganz günstig (ab 7 Euro für eine kleine Platte im Baumarkt) und nicht ganz so einfach zu verarbeiten. Es besteht dabei die Gefahr, dass das Material bricht oder reißt und die Platte dann nicht mehr zu gebrauchen ist. Wer sich das nicht zutraut, sollte versuchen eine Platte schon gleich im richtigen Maß zu bekommen, gegebenenfalls durch Zuschnitt im Baumarkt.

… oder mit Transparentpapier


Die vorhandene Seitenwand wird so mit einer Stichsäge ausgesägt, so dass ringsherum ein Rand von 5 cm stehen bleibt. Die Öffnung wird dann mit Transparentpapier aus dem Bastelbedarf (Butterbrotpapier geht auch) und Bastelkleber wieder verschlossen. Beim Anbringen des Papiers ist darauf zu achten, dass oben und unten mindestens 2 cm frei bleiben, da die Seitenwand sonst nicht mehr in die Führungsschiene passt.

Das folgende Bild zeigt die beiden Varianten nebeneinander im Vergleich: Links die weiße Acrylglasplatte und rechts die Hartfaserplatte mit Ausschnitt und Transparentpapier.


Die neue transparente Seitenwand wird einfach gegen die vorhandene Seitenwand ausgetauscht.

Damit kann das Licht jetzt auch von der Seite gesetzt werden, entweder durch Dauerlichtlampen oder durch entfesselte Blitze.


Die beiden Varianten nehmen sich technisch nichts. Das Acrylglas sowie das Transparentpapier sorgen für weiches diffuses Licht in der Box und schöne, weiche Schattenverläufe. Das Transparentpapier lässt etwas mehr Licht von außen durch, die Acrylglasplatte hingegen sorgt für eine bessere Reflektion des Lichts innerhalb der Box.

Und wenn man schon dabei ist, dann sollte man am besten auch gleich beide Seitenwände auf die transparente Version umstellen. Das bringt noch mehr Möglichkeiten bei der Lichtsetzung. So kann man das Licht von links und rechts einfallen lassen und auf das frontale Licht vollständig verzichten.

Wer eine Stichsäge zur Hand hat und damit umgehen kann, der kommt mit dem Umbau der vorhandenen Seitenwände in weniger als einer halben Stunde mit sehr wenig Geld zum Ziel.

Acrylglas mit dem Teppichmesser auf Maß zu schneiden ist auch nicht besonders schwer und dauert nicht länger als das Aussägen der vorhandenen Wände. Wer den Weg zum Baumarkt und die Kosten von ca. 15 Euro (für eine Platte 100 x 50 cm) nicht scheut, bekommt so eine perfekte Lösung.

Platzsparend lagern


Wird die Lichtbox nicht mehr benötigt, so kann sie schnell und ohne Werkzeug zerlegt werden, indem der Deckel abgenommen und die Seitenwände sowie die Rückwand herausgenommen werden. Die einzelnen Elemente können dann platzsparend verstaut werden. Der Fotokarton sollte nach Möglichkeit immer so gelagert werden, so dass er keine Wellen oder Falten bekommt.

Wenn man die Lichtbox später wieder braucht, dann ist sie in kürzester Zeit auch wieder aufgebaut. Und das beliebig oft, denn die stabilen Materialien sorgen für eine lange Haltbarkeit.


Sonntag, 15. September 2019

Canon EOS M3 - gebraucht kaufen?

Wer sich eine gebrauchte spiegellose Systemkamera kaufen möchte, wird möglicherweise auch die Anschaffung einer Canon EOS M3 in Erwägung ziehen.

Die Canon EOS M3 ist 2015 erschienen und wurde bereits zwei Jahre später von der EOS M6 abgelöst. Nach weiteren zwei Jahren ist im Herbst 2019 die EOS M6 Mark II vorgestellt worden. Dass die EOS M3 mittlerweile zwei Nachfolgemodelle hat, bedeutet aber keinesfalls, dass sie veraltet ist.

Denn die EOS M3 verfügt über einen APS-C-Sensor mit einer Auflösung von 24,2 Megapixel und einen DIGIC 6 Bildprozessor, so wie auch beispielsweise die EOS 80D. Damit spielt sie mühelos in der Liga der gehobenen Spiegelreflexmodelle von Canon mit. So ausgestattet bietet sich die EOS M3 als ideale Zweitkamera zur DSLR oder als kompakte Einsteigerkamera an, die auch wachsenden Anforderungen noch gerecht wird. Der Touchbildschirm, der 45° nach unten und um 180° nach oben geschwenkt werden kann, ein eingebauter Blitz mit der Leitzahl 5, sowie Verbindungsmöglichkeiten über WiFi und NFC runden das Gesamtbild ab. Videoaufnahmen in Full-HD sind mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde ebenfalls möglich.

Gerade mal 615 Gramm wiegt die komplette EOS M3 - inklusive Kit-Objektiv, Gegenlichtblende, Objektivdeckel, Kameragurt, Akku und Speicherkarte. Die EOS 80D hingegen bringt mit einem vergleichbaren Objektiv (EF-S 18-55mm IS STM) schon fast 1.000 Gramm auf die Waage.

Zusammen mit Kit-Objektiv oder nur den Body kaufen?


Die EOS M3 ist zusammen mit dem Kit-Objektiv EF-M 18-55mm IS STM kaum für unter 300 EUR zu bekommen. Dennoch lautet meine Empfehlung: Wer noch kein EF-M Objektiv besitzt, sollte die EOS M3 nicht nur als Body, sondern nach Möglichkeit immer zusammen mit dem Kit-Objektiv zu kaufen. Einzelne Objektive mit EF-M Bajonett sind selbst gebraucht noch recht teuer und werden auch nicht so häufig angeboten wie EF oder EF-S Objektive.

Die Wahl der Qual - EF-M oder EF-S/EF?


Mit den spiegellosen Modellen von Canon wurden die Objektive mit EF-M Bajonett eingeführt. Dieses Bajonett ist nicht kompatibel zum verbreiteten EF-S oder EF Bajonett, das bei den Spiegelreflexkameras Verwendung findet. Die EF-S und EF Objektive lassen sich zwar mit einem passenden Adapter an der EOS M3 verwenden, die EF-M Objektive hingegen passen ausschließlich an Kameras der M-Serie.

Wer mit dem Gedanken spielt, mit einem Adapter Objektive mit EF-S und EF Bajonett an der EOS M3 zu verwenden - was durchaus möglich ist, der sollte sich auf einen eher gemächlichen Autofokus einstellen. So schnell wie bei den EF-M Objektiven ist der Autofokus bei adaptierten Objektiven leider nicht. Dort, wo es auf einen schnellen Autofokus ankommt, zum Beispiel in der Sport- oder Tierfotografie, eignen sich EF-S/EF Objektive an der EOS M3 daher nur bedingt.

Andererseits, warum sollte man eine kompakte und leichte spiegellose Kamera einer DSLR vorziehen, um anschließend ein EF 24-105mm L aufzusetzen, das alleine schon soviel wiegt wie Kamera inklusive Kit-Objektiv?

Die Canon EOS M3 mit EF-Adapter und Objektiv EF 24-105mm f/4 L IS USM

Als vorübergehende Lösung ist das eine tolle Sache, wenn man für seine spiegellose Kamera auf eine größere Auswahl von Objektiven aus seinem DSLR-Fundus zurückgreifen kann. Bei einem Immerdrauf-Objektiv wünsche ich mir jedoch ein passendes Verhältnis von Body und Objektiv für ein ausgewogenes Handling.


Zubehör


Zur Befestigung auf einem Stativ lässt sich wie bei nahezu allen Kameras das übliche Gewinde am Kameraboden verwenden. Wer allerdings gewohnt, oder besser gesagt verwöhnt ist, seine Kamera mit einer ArcaSwiss kompatiblen Schnellwechselplatte am Stativ anzubringen, wird schnell feststellen, dass leider auch die kleinste Schnellwechselplatte die Klappe für Akku und Speicherkarte blockiert. Aus diesem Grund empfiehlt sich ein speziell an die EOS M3 angepasster L-Winkel. Damit sind auch Hochformat-Aufnahmen möglich, ohne den Stativkopf um 90° schwenken zu müssen. Dieser L-Winkel aus leichtem Aluminium ermöglicht weiterhin den Zugriff auf die Klappe sowie allen anderen Anschüssen.

Die Canon EOS M3 mit ArcaSwiss kompatiblem L-Winkel und elektronischem Sucher EVF-DC2


Wer bisher eine kleine Kompakt-Kamera ohne Sucher verwendet hat, der wird auch bei der EOS M3 keinen Sucher vermissen. Ein Umstieg von einer DSLR hingegen ist etwas gewöhnungsbedürftiger, da die EOS M3 im Gegensatz zu den Modellen EOS M5 und M50 standardmäßig keinen Sucher hat. Dieser lässt sich bei der EOS M3 aber sehr einfach über den Blitzschuh nachrüsten. Canon bietet dafür die Modelle EVF-DC1 und EVF-DC2 an. Wer einmal diesen elektronischen Sucher verwendet hat, der möchte ihn nur ungern wieder hergeben. Insbesondere bei hellem Sonnenlicht ist der Sucher besser geeignet als das große Display der Kamera.

Allerdings darf man dabei nicht verschweigen, dass der elektronische Sucher auch einige Nachteile hat: Mit einem Preis von mehr als 200 Euro ist dieses Zubehörteil nicht gerade als günstig zu bezeichnen. Und mit dem Sucher wird die Kamera natürlich auch wieder etwas größer und passt so möglicherweise nicht mehr in de Kameratasche. Ein weiterer Nachteil ist, dass der Blitzschuh bei aufgesetztem Sucher nicht mehr zum Blitzen genutzt werden kann. Weder für einen Aufsteckblitz, noch für eine Funksteuerung zum entfesselten Blitzen. Man ist bei der Verwendung des Suchers immer auf den internen Blitz der Kamera angewiesen.

Fazit


Wer von einer DSLR umsteigt, wird sich an die spürbar kleineren Abmessungen gewöhnen müssen. Das gilt nicht nur für das Gehäuse, das gilt auch für die Bedienelemente. Nicht nur einmal habe ich mit der rechten Hand die Einstellungen für den internen Blitz versehentlich verändert. Auch der Umstieg von Sucher auf Touchdisplay wird für eingefleischte DSLR-Fotografen eine Umstellung sein.

Das Verhältnis von Preis und Leistung ist wirklich gut, wenn man eine kompakte Kamera auf DSLR-Niveau sucht, man aber nicht immer das neueste Modell haben muss. Für Einsteiger und Fortgeschrittene eine echte Alternative sowohl zu den teureren Nachfolgemodellen EOS M6 (II) als auch zu den günstigeren Einsteigerkameras EOS M10 oder M100.



Samstag, 14. September 2019

Ist der YN660 tatsächlich der bessere YN560 IV?

Von Yongnuo im Jahr 2016 als offizieller Nachfolger des YN560 IV vorgestellt, hat der YN660 auch heute, drei Jahre nach Produkteinführung, seinen Vorgänger immer noch nicht vollständig ablösen können. Der YN560 IV wird auch heute noch hergestellt und verkauft. Da stellt natürlich sich die Frage, was die Gründe dafür sein könnten.

Der manuelle Aufsteckblitz YN660 von Yongnuo

Alles neu - aber warum kann sich der YN660 nicht durchsetzen?


Immerhin hat der YN660 gegenüber seinem Vorgänger doch einige Verbesserungen erfahren:
  • ein robustes und modernes Gehäuse, wie es auch beim YN685 zum Einsatz kommt
  • einen modifizierten Ein-/Ausschalter mit Sperrfunktion gegen versehentliches Verändern der Einstellungen
  • eine Schnellverriegelung am Blitzfuß
  • ein Drehrad zur komfortablen Auswahl der Einstellungen
  • im Masterbetrieb sechs statt nur drei Gruppen über Funk ansteuerbar
  • einen erweiterten Zoombereich von 20 bis zu 199 mm
  • eine Leitzahl von 66 bei 199 mm
  • einen in beide Richtungen um 180° drehbaren Blitzkopf

Das hört sich erstmal recht verlockend an. Aber nicht alle Neuerungen am YN660 sind auch tatsächlich Vorteile, wenn man sie näher betrachtet. Sie können sich auch schnell als Nachteil herausstellen.

Nachteil # 1 - Die Größe


Dass der YN660 etwas an Größe und Gewicht zugelegt hat, mag erstmal nicht so gravierend sein. Aber warum sollte etwas größer und schwerer werden, wenn es nicht signifikant an Leistung dazugewinnt? Bei 105 mm Zoom hat der YN660 eine Leitzahl von 58 und ist damit absolut identisch zum YN560. Im Studio kann man diesen Umstand noch akzeptieren, dass die Ausrüstung größer oder schwerer ist. Aber nicht, wenn man seine Blitzgeräte öfter transportieren oder mit sich tragen muss.

Nachteil # 2 - Das Wahlrad


Im Gegensatz zu seinen Vorgängern hat der YN660 keine Richtungstasten (auf/ab/links/rechts) mehr. Konnte man beim YN560 noch blind mit den Tasten links/rechts die Leistung in ganzen Schritten steuern, so ist das mit dem Wahlrad nicht mehr so einfach möglich. Zum einen muss man jeden Zwischenschritt durchlaufen (0.3/0.7), zum anderen kann man die Leistung nicht mehr exakt in ganzen Stufen verändern, ohne dabei einen Blick auf das Display werfen zu müssen. Das kann sich unter Umständen schwierig gestalten. Zum Beispiel dann, wenn der Blitz hoch oben auf einem Lampenstativ angebracht ist und sich das Display nicht ohne weiteres einsehen lässt. Natürlich ist das bei der Einstellung über Funk nicht erforderlich, dann erfüllt allerdings ein günstigerer YN560 III den gleichen Zweck. Und damit sind wir dann auch schon beim nächsten Punkt:

Nachteil # 3 - Der Preis


Der YN660 liegt preislich etwas über dem YN560 IV. Hier sollte man schon bereit sein, den Aufpreis für die eingangs genannten Vorteile gegenüber dem YN560 IV zu akzeptieren. Viele Kunden tun das offenbar jedoch nicht und kaufen weiterhin die bewährten Vorgängermodelle YN560 IV und III.

Fazit


Es lohnt sich auf keinen Fall, seine vorhandenen YN560 IV oder III gegen einen neueren YN660 auszutauschen. Wer bereits einen YN560 IV, III oder II besitzt, der wird vermutlich auch wieder eines dieser Modelle kaufen, da die Bedienung absolut identisch ist. Wer neu in die Blitzfotografie einsteigt und sich seinen ersten manuellen Aufsteckblitz kaufen möchte, für den wäre der YN660 eine Alternative. Hier müssen die Vorteile jedoch überwiegen. Neue Modelle müssen nicht immer besser sein als der Vorgänger.

Dienstag, 26. Februar 2019

Das Handbuch "Manuell blitzen mit Speedlites von Yongnuo"

Durch Zufall bin ich auf das Buch "Manuell blitzen mit Speedlites von Yongnuo" von Marco Sondermann aus dem tredition Verlag gestoßen. Das Buch ist als Taschenbuch, als Hardcover und auch als eBook erhältlich. Auf der Webseite des Verlags ist das komplette Inhaltsverzeichnis und eine Leseprobe als PDF-Download verfügbar. Bei Amazon gibt es zusätzlich auch noch den "Blick ins Buch".

Da ich selber Blitze vom Typ YN560 IV und dazu passende Funkauslöser besitze, habe ich mir die Taschenbuch-Ausgabe zum Preis von 14,99 Euro gekauft. Denn das, was Yongnuo mit seinen Produkten ausliefert, hat bekanntermaßen nicht viel mit einer Anleitung oder einem Manual zu tun und kann auch nicht ernsthaft als Bedienungsanleitung angesehen werden. Wer selber Blitze von Yongnuo besitzt, der weiß was ich meine: Diese kleine "Packungsbeilage" in Englisch und Chinesisch. Auch wenn es alternativ dazu deutsche Übersetzungen von diversen Fotohändlern gibt - die übersetzten PDFs sind inhaltlich fast immer sehr eng an die schlanke Originalanleitung angelehnt. Sie lassen sich in deutsch zwar einfacher lesen, helfen aber von der Sache her nur bedingt weiter. Teilweise schleichen sich bei den inoffiziellen Übersetzungen sogar noch komische Dinge ein.

Auf Youtube findet man verschiedene deutschsprachige Tutorials, die teilweise doch schon etwas mehr auf die praktische Bedienung der Geräte eingehen und sich gut für einen ersten Überblick eignen. Das waren bisher auch meine Informations-Quellen zu den Yongnuo-Geräten, aber in einem Youtube-Video kann man leider nicht wie in einem Buch zu bestimmten Themen nachschlagen und ein Youtube-Video macht sich in der Fototasche auch nicht so gut wie ein Taschenbuch im A5-Format.

Deutsche Anleitung für manuelle Blitze von Yongnuo
Im Gegensatz zu anderen Blitzbüchern geht dieses Buch wirklich auf die aktuellen Produkte von Yongnuo ein und zeigt, wie man diese einstellt, miteinander verbindet und benutzt - und nicht, welche Fotos man damit (nach)machen könnte. Andere Bücher, die zum Teil mehr als das doppelte kosten, gehen nur sehr oberflächlich - wenn überhaupt - darauf ein, wie ich meine Blitzgeräte einstellen muss, um zu diesem oder jenem Ergebnis zu kommen. Verständlich, denn ein Verlag möchte die Zielgruppe der Leser nicht noch auf die Teilmenge der Fotografen mit Yongnuo-Equipment reduzieren. Dieses Buch dient aber sehr gut als Ergänzung zu den Blitzbüchern mit eher gestalterischem Schwerpunkt.

Erfreulicherweise geht das Buch auch auf die Basics zu den Kameraeinstellungen ein, ohne dabei zu sehr in die theoretische Tiefe zu gehen. Man sollte also schon ungefähr wissen, wie man an seiner Kamera die Blende oder den ISO-Wert einstellt. Auch die Wechselwirkungen von Kamera und Blitz werden anhand der Blitzsynchronzeit gut erläutert. Das Buch hat über 100 Abbildungen, Fotos und Tabellen, was bei insgesamt 168 Seiten schon eine ganze Menge ist.

Neben den rein Yongnuo-spezifischen Themen zu quasi allem, was Yongnuo zum manuellen Blitzen im Programm hat (YN560, YN660, YN560TX, RF-603/602/605), gibt es auch noch allgemeine Kapitel zum indirekten Blitzen, zu Lichtformern und zu Akkus bzw. Batterien. Abgerundet wird das Buch durch einen kurzen Abriss über verschiedene Licht-Setups, die eher zum experimentieren mit den eigenen Geräten und nicht zum stumpfen Nachmachen animieren. Auf die Einbindung von Studioblitzen wird nicht näher eingegangen, aber hier geht es ja auch vornehmlich um Aufsteckblitze in verschiedenen Einsatzszenarien.

Allerdings spiegelt sich der günstige Preis des Buches darin wieder, dass es keine farbigen Seiten gibt - was der hohen Qualität des Inhalts aber keinen Abbruch tut. Vielleicht ist das auch absichtlich so gemacht, um dem Minimalismus der manuellen Blitze von Yongnuo zu entsprechen: Günstig, zweckmäßig und tut genau das, was es soll.

Fazit:
Die kompakte Taschenbuch-Version ist eine absolute Empfehlung für den Preis!

Der Inhalt ist hervorragend aufbereitet, gut strukturiert und leicht verständlich dargestellt. Auch wenn ich meine Blitze schon eine Weile habe, so habe ich trotzdem noch einiges durch dieses Buch darüber lernen können.


Dienstag, 12. Februar 2019

Meine Erfahrungen mit dem 500m Spiegel-Teleobjektiv

Praxisbericht: 500 mm Teleobjektiv in Spiegelbauweise

Teleobjektive mit einer Brennweite von 500 mm oder mehr sind meistens recht teuer. Eine Ausnahme sind die sogenannten Spiegel-Teleobjektive, die neu schon für weniger als 150 Euro erhältlich sind. Ich habe ein solches Spiegel-Tele von Makinon günstig bekommen und hatte daher die Möglichkeit, mich in der Praxis etwas näher damit zu beschäftigen.

Das Objektiv hat eine feste Brennweite von 500 mm und eine feste Blende von f/8. Durch die Spiegelbauweise ist es im Gegensatz zu normalen Teleobjektiven relativ kurz und leicht, was es ermöglicht, die Kamera ganz normal auf einem Stativ zu befestigen.

Dieses Objektiv ist grundsätzlich auch für den Einsatz an Vollformatkameras geeignet. Da sich das Objektiv aufgrund der festen Blende in sehr hellen Umgebungen nicht weiter abblenden lässt, sind bei meinem Objektiv neben einem UV-Filter noch zwei ND-Filter (2x und 4x) dabei. Diese Filter werden jedoch nicht außen vor der großen Frontlinse, sondern auf der Innenseite vor der kameraseitigen Linse angebracht.

Makinon 500mm f/8.0 Spiegeltele an einer Canon DSLR

Anpassung an die Kamera

Da es diese Objektive nicht mit werksseitigem Canon- oder Nikon-Bajonett gibt, war für mich der erste Schritt die Anpassung des Objektivs an die Kamera. Mein Objektiv ist mit einem Pentax-Bajonett versehen und soll an eine Canon DSLR, also brauche ich einen Adapter von Pentax K auf Canon EF. Den passenden Adapter habe ich in der elektronischen Version mit Autofokus-Chip im Doppelpack für unter 20 Euro bekommen.

Bajonett-Adapter von Pentax K auf Canon EF mit AF-Chip
Die aktuell angebotenen Objektive haben oft schon einen zur Kamera passenden T2-Adapter dabei, zum Teil auch mit Autofokus-Chip. Einen T2-Adapter gibt es auch einzeln für weniger als 10 Euro.

Manueller Fokus mit elektronischer Unterstützung

Die Spiegel-Objektive haben grundsätzlich keinen Autofokus. Bajonett-Adapter mit einem speziellen AF-Chip bieten allerdings elektronische Unterstützung beim Fokussieren. Das Scharfstellen erfolgt wie gehabt manuell am Objektiv durch das Drehen des Fokusrings. Sobald die Kamera ein scharfes Bild erkennt, wird dies durch den AF-Chip genauso wie bei einem Objektiv mit Autofokus signalisiert: Das entsprechende Autofokusfeld im Sucher blinkt und die Kamera piept kurz.

Soweit die Theorie. In der Praxis funktioniert dies mit diesem Objektiv aber nur bei sehr hellen Flächen oder starken Kontrasten. In den meisten Fällen muss man sich trotz AF-Chip auf sein Auge verlassen. Und ein Autofokus-Hilfslicht ist aufgrund der Reichweite bei einem 500 mm Teleobjektiv nur bedingt sinnvoll.

In bestimmten Situationen kann es daher besser sein, die Kamera in den LiveView-Modus umzuschalten und bei entsprechender Vergrößerung dann über das Display manuell zu fokussieren. Das erfordert allerdings etwas Gefühl, Geduld und auch Übung.

Nicht ohne Stativ

Da das Objektiv keinen Bildstabilisator hat, gilt hier die Faustregel, dass bei Aufnahmen ohne Stativ die maximale Belichtungszeit nicht länger sein sollte, als der Kehrwert der Brennweite. Das ist bei diesem Objektiv mit 500 mm Brennweite eine maximale Zeit von 1/500 - was schnell mal zu kurz sein kann, insbesondere bei einer Blende von f/8.

Deswegen ist die Verwendung eines Stativs mit Fernauslöser dringend angeraten. Aber das manuelle Fokussieren kann auch mit Stativ nerven. Sobald man am Fokusring dreht, wackelt das Objektiv dermaßen, dass es schwer ist, zu erkennen, ob das Bild jetzt scharf ist. Da kann es schonmal hilfreich sein, eine Pause von einer Sekunde einzulegen, bevor man einen neuen Versuch startet.

Der richtige Kameramodus

Das Objektiv ist elektrisch nicht mit der Kamera verbunden und kann daher auch nicht mit der Kamera kommunizieren. Die Kamera hat keine Ahnung von der Blende f/8 und kann umgekehrt die Blende auch nicht steuern - was davon abgesehen bei einer festen Blende sowieso sinnlos wäre. Aus diesem Grund kann dieses Objektiv nur sinnvoll im manuellen Modus (M) oder in der Blendenvorwahl (A oder Av) benutzt werden. Die Belichtungszeit und der ISO-Wert sind die einzigen variablen Parameter, da die Blende bauartbedingt immer auf f/8 eingestellt ist. Bei der Blendenvorwahl (bzw. Zeitautomatik) wird die Blende vorgegeben und die Zeit dann automatisch anhand der Belichtungsmessung festgelegt.

Da das Objektiv wenig Masse mitbringt und beim Auslösen der Kamera zum Schwingen neigt, sollte man nach Möglichkeit die Spiegelvorauslösung aktivieren, um die Vibrationen auf ein Minimum zu reduzieren.

500 mm x 2 = 1000 mm

Für knapp 20 Euro habe ich mir zusätzlich noch einen gebrauchten 2x-Tele-Konverter für Pentax K gekauft. Dieser Konverter verdoppelt aber nicht nur die Brennweite von 500 mm auf 1000 mm, er vervierfacht auch gleichzeitig die Blendenzahl. Das bedeutet, das Objektiv hat nun eine Blende von f/16 statt f/8. Wer mit f/16 an diesem Objektiv halbwegs helle Bilder haben möchte, der sollte dringend den ISO-Wert anheben.

Dass ein Konverter - insbesondere in dieser Preisklasse - die Bildqualität nicht unbedingt verbessert, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Aber 1000 mm an einer APSC-Kamera mit Crop-Faktor 1,6 sind schon recht beeindruckend. Da nimmt man unter Umständen auch mal eine geringere Qualität in Kauf.

Das Bokeh

Bauartbedingt haben Spiegelobjektive ein spezielles Bokeh. Statt rund oder eckig werden Lichtpunkte als Kringel dargestellt, also ein Punkt mit Loch:

Manche mögen es, manche nicht. Zumindest ist es … interessant.

Beispielfoto: Vollmond Januar 2019

Das folgende Foto wurde mit einer Canon EOS 5D Mark II aufgenommen:


Einstellungen: 1/80 Sekunde, ISO 800 und … natürlich Blende f/8

Fazit

Die Benutzung des Objektivs mit dem manuellen Fokus ist mir bei 500 mm eindeutig zu fummelig. Auch die Bildqualität liegt eher im unteren Bereich. Wenn man tatsächlich ein halbwegs scharfes Bild erwischt hat, dann stellt man fest, dass die Farben matschig und flau sind und ohne nachträgliche Bildbearbeitung keine wirklich guten Ergebnisse zu erzielen sind.

Dieses Objektiv ist ganz witzig, aber ich würde es mir definitiv nicht kaufen. Für ernsthafte Fotos bevorzuge ich nach wie vor mein 70-300 mit Autofokus, Bildstabilisator und einer Offenblende von f/5.6 bei 300 mm. Und das war gebraucht nicht mal 20 Euro teurer als ein neues Spiegeltele.

Samstag, 26. Januar 2019

Die Festbrennweite - eine Empfehlung für Einsteiger?

Oft lautet die Empfehlung an Fotografie-Einsteiger: "Kauf dir eine Festbrennweite!"

Auf diese Aussage bin ich in meiner Anfangszeit auch oft gestoßen. Und natürlich habe ich mir daraufhin ein Festbrennweitenobjektiv gekauft. Ein 50mm mit einer f/1.8 Offenblende. Das Objektiv, das man einfach haben muss.

Muss man wirklich?

Die 50mm sind auch mit in meinem Kit-Objektiv 18-55mm enthalten. Warum sollte ich dann dafür extra ein neues Objektiv kaufen? Wenn es nur um die feste Brennweite geht, dann fixiere ich den Zoom-Ring meines Objektivs in der 50mm-Stellung mit Klebeband - und schon habe ich dauerhaft eine fest Brennweite von 50mm.

Gibt es denn Vorteile der echten 50mm Festbrennweite gegenüber dem Klebeband-Workaround und welche sind das?

Eine Offenblende von f/1.8 ermöglicht das Freistellen von Motiven, also einen unscharfen Hintergrund bei scharfem Motiv, wesentlich besser als ein Zoom-Objektiv bei einer Offenblende von f/5.0 bei 50mm. Die große Offenblende des Festbrennweite hat noch andere Vorteile. So kann ich mit einer Blende von f/1.8 auch in dunklen Umgebungen mit kürzeren Belichtungszeiten arbeiten, ohne den ISO-Wert zu erhöhen und damit ein - je nach Kamera - mehr oder weniger ausgeprägtes Bildrauschen zu erzeugen oder ein Stativ verwenden zu müssen. Was die Abbildungsleistung angeht, sind Festbrennweiten konstruktionsbedingt meist besser als günstige Zoom-Objektive.

Auch Zoom-Objektive haben ihre Vorteile, sonst würde es sie nicht geben. Ein oft genannter "Vorteil" von Festbrennweiten: Die Festbrennweite zwingt mich, den Abstand zum Motiv zu verändern, wenn ich einen bestimmten Bildausschnitt haben möchte. Was ist aber, wenn ich das gar nicht möchte oder auch nicht kann, beispielsweise weil ich schon mit dem Rücken an der Wand stehe? Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten: Ich verwende eine 35mm Festbrennweite - oder ich drehe einfach den Zoom meines Kit-Objektivs auf 35mm.

Des weiteren stellt sich die Frage, ob die Festbrennweite überhaupt zu dem passt, was ich fotografieren möchte. Wenn ich mit meiner 50mm Festbrennweite im Zoo einem Löwen auf zwei Meter Entfernung nähern muss, um ihn formatfüllend fotografieren zu können, dann ist das nicht unbedingt die beste Idee - oder einfach nur die falsche Brennweite.

Ich habe meine 50mm Festbrennweite fast immer dabei, benutze sie aber nur gelegentlich. Und zwar genau dann, wenn ich sie wirklich sinnvoll einsetzen kann. Natürlich kann ich auch meine Tasche mit verschiedenen Festbrennweiten bestücken: 28mm, 35mm, 40mm, 50mm, usw. und das Zoom-Objektiv zuhause lassen. Ob das aber die Empfehlung an Einsteiger sein sollte?

Meine Empfehlung lautet:

Probiere mit einem Streifen Klebeband an deinem Zoom-Objektiv aus, ob dir die permanente Einschränkung auf eine feste Brennweite gefällt. Wenn ja, dann kauf dir eine Festbrennweite.

Stellst du fest, dass dein Zoom-Objektiv nicht das leistet, was du für deine Bilder brauchst, dann kauf dir eine Festbrennweite.

Wenn du möglichst viele Objektive haben möchtest, weil man sie vielleicht irgendwann mal für irgendwas brauchen könnte, dann kauf dir eine Festbrennweite.

Möchtest du einfach mal ein Festbrennweitenobjektiv ausprobieren, dann frag Freunde oder Bekannte, ob du dir mal ein solches Objektiv ausleihen kannst.

Ansonsten nimm einfach dein Zoom-Objektiv und hab Spaß am Fotografieren. Und das kann man als Einsteiger auch ohne Festbrennweite lernen.

Samstag, 6. Januar 2018

Der Yongnuo YN500EX E-TTL Aufsteckblitz

Der Yongnuo Speedlite YN500EX ist ein TTL- und HSS-fähiger Aufsteckblitz für Canon-Kameras, der vom Leistungsumfang fast identisch mit dem YN568EX für Canon ist. Die drei wichtigsten Unterschiede zum YN568EX sind:

  • eine etwas kompaktere Bauform
  • Leitzahl 53 statt 58
  • Leistungsstufen von 1/1 bis 1/64 statt 1/1 bis 1/128

Der technisch vergleichbare YN568EX für Canon wurde bereits ein gutes halbes Jahr nach Markteinführung schon wieder durch das Nachfolgemodell YN568EX II für Canon abgelöst. Der YN500EX basiert vom Funktionsumfang auf dem Ur-568EX für Canon aus dem Jahr 2012 und wird von Yongnuo daher auch heute noch als "568 Mini" bezeichnet.


Yongnuo YN500EX E-TTL Blitz für Canon

Auch wenn der Yongnuo YN500EX seit mittlerweile fünf Jahren erhältlich ist, so ist er in Deutschland nicht besonders verbreitet. Das ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass die Modelle YN568EX II und YN568EX III mehr Leistung (eine höhere Leitzahl und Master-Funktion) für nahezu das gleiche Geld bieten. Der direkte Konkurrent des YN500EX ist der Canon 430EX II, der jedoch nur eine Leitzahl von 43 bietet und deutlich teurer ist.


Die Leistungsmerkmale des YN500EX im Überblick:

  • TTL-Protokoll On-Camera: Canon E-TTL
  • TTL-Protokoll Off-Camera: Canon E-TTL oder Nikon i-TTL
  • Leitzahl 53 (bei ISO 100 und 105 mm)
  • LCD beleuchtet (orange)
  • Leistungsstufen von 1/1 bis 1/64 (0.3/0.5/1.0)
  • Ladezeit ca. 3 Sekunden bei 1/1 Leistung
  • Intelligenter Überhitzungsschutz
  • Modus: TTL, Manuell, Multi
  • Zoomstufen von 24 bis 105 mm / 14 mm mit Weitwinkelstreuscheibe
  • Blitzkopf 0 bis 270 Grad horizontal und von -7 bis 90 Grad vertikal schwenkbar
  • Blitzdauer 1/200 - 1/20000
  • Farbtemperatur 5.600 K
  • AF Hilfslicht
  • Rear-Curtain Sync
  • Flash Exposure Compensation (FEC)
  • Flash Exposure Bracketing (FEB)
  • Flash Exposure Lock (FEL)
  • High Speed Sync (HSS) bis 1/8000
  • Kompatibilität als Empfänger: YN-622, YN568EX II, 580EX II, SB-700/800/900, EOS 600D/60D/7D, ST-E2, Nikon CLS
  • Optischer Slave: Sc / Sn / S1 / S2
  • PC Sync-Port
  • Stromversorgung: 4 x AA (Alkaline oder NiMH)
  • Gewicht 320 g

Was aber ist der Grund, sich einen YN500EX zu kaufen, wenn man für das gleiche Geld mehr Blitz bekommen kann?

Ganz einfach: Die kompakte Bauweise und das geringere Gewicht - und das sogar ohne den Verzicht auf wesentliche Leistungsmerkmale. Der Blitz passt mit seinen Abmessungen in jede Fototasche und nimmt auch nicht wesentlich mehr Platz in Anspruch, als ein einfaches 50-250 mm Telezoom-Objektiv.

Nachfolgend ein Bild, das den Größenunterschied zum YN685 zeigt:

Yongnuo YN685 und YN500EX im Größenvergleich
Dieser kleine Blitz stellt aufgrund seiner Größe eine hervorragende Alternative zum eingebauten Blitz dar. Er bietet eine vierfache Leitzahl (die integrierten Blitze haben meistens eine Leitzahl von 13) und eine höhere Flexibilität in der Handhabung. Denn durch den drehbaren Blitzkopf ist auch ohne großen Aufwand ein indirektes Blitzen möglich, was deutlich bessere Aufnahmen ermöglicht, als das frontale Blitzen mit dem eingebauten Blitz.

Wenn man die Canon-Modelle am oberen Ende der Skala betrachtet, so beispielsweise wie die 5D- oder 1D-Reihe, die keinen integrierten Blitz haben, dann ist der YN500EX bei diesen Kameras eine gute, preiswerte und platzsparende Option für unterwegs.


Sonntag, 31. Dezember 2017

Wabenvorsatz für Aufsteckblitze selbstgebaut

Wer schon einmal versucht hat, das Licht seines Aufsteckblitzes ohne große Streuung auf einen Punkt zu fokussieren, der wird festgestellt haben, dass das selbst bei dem maximalen Zoom des Blitzes auf 105 mm eigentlich gar nicht möglich ist. Es wird immer ein recht großer Umgebungsbereich zusätzlich mit aufgehellt - was nicht immer gewünscht ist.

Meine Idee war es nun, einen günstigen und kompakten Wabenvorsatz für meinen Yongnuo 560 IV selber zu bauen, um das Licht des Blitzes nach meinen Vorstellungen bündeln zu können. Die Maße folgende Anleitung beziehen sich daher auf einen YN560 von Yongnuo. Bei anderen Blitzen mit größeren oder kleineren Blitzköpfen können die Maße leicht abweichen.

Für den DIY-Wabenvorsatz werden benötigt:

Einen Yongnuo YN560 Wabenvorsatz selber bauen: Karton, Uhu, Strohhalme und Werkzeug

  • ein Bogen schwarzer Bastelkarton, ca. DIN A4 oder größer
  • ca. 15 bis 20 schwarze Strohhalme mit 5 - 6mm Durchmesser
  • flüssigen Bastelkleber
  • Schere, eventuell auch Cuttermesser
  • ungefähr eine Stunde Zeit

Der Bastelkarton wird wie folgt zugeschnitten:

Bauplan für einen Wabenvorsatz für den Yongnuo YN560 IV

Aus dem Karton werden die acht kleinen Zwischenböden und der größere Aufsatz ausgeschnitten. Danach wird aus dem großen Teil der viereckige Aufsatz gefaltet und zusammengeklebt. Das sollte dann so aussehen wie links auf dem Bild etwas weiter unten.

Kleiner Tipp: Wenn man die Stellen, an denen der Karton gefaltet werden soll, vorher ganz leicht mit einem Cuttermesser an einem Lineal entlang einritzt, geht das Falten merkbar einfacher.

Als nächstes werden nun die Strohhalme in gleich lange Stücke (ca. 4 bis 5 cm) geschnitten. Da etwa insgesamt 120 Stücke benötigt werden, ist das Zerschneiden der Strohhalme recht zeitaufwändig.

Die acht Zwischenböden sind aus technischer Sicht zwar nicht erforderlich, erleichtern die parallele Montage der Strohhalme jedoch enorm. Auf jeden der Böden werden die kurzen Strohhalmstückchen aufgeklebt. Links, rechts und an einer langen Seite des Zwischenbodens sollten sie bündig abschließen, nach hinten können sie dann beliebig überstehen.

Wenn die Strohhalme auf den Zwischenböden verklebt und getrocknet sind, werden die Böden mit den Strohalmen übereinander gestapelt und verklebt. Nicht unbedingt für die Funktion, aber doch für die Ästhetik sollten jetzt alle Strohalme vorne bündig sein..

Bis hierhin sollte das jetzt so aussehen:

Dr Komplettbausatzt für die Snoot mit der fertigen selbstgebauten Wabe als Vorsatz


Wenn die miteinander verklebten Bodenplatten mit den Strohhalmen getrocknet sind, dann braucht die komplette Wabe nur noch saugend in die Röhre geschoben und anschließend die Röhre auf den Blitzkopf gesteckt werden.

Und fertig ist der DYI-Wabenaufsatz.

Der Yongnuo YN560 IV Aufsteckblitz mit dem selbst gebauten Wabenvorsatz


Hier nochmal zwei Bilder, die verdeutlichen sollen, welchen Effekt der Wabenvorsatz gegenüber dem nackten Blitz bei einer Wand mit ca. zwei Metern Abstand hat.

Ohne Aufsatz:



Mit Aufsatz: